UNIUN - UniversitätsabsolventInnen und Studierende entwickeln Unternehmen
Potentialanalyse
Rahmenbedingungen zur Unternehmensgründung durch UniversitätsabsolventInnen
L&R SOZIALFORSCHUNG / social research
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Tel: +43/1/595 40 40-0, Fax: +43/1/595 40 40-9
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  Ferdinand Lechner + Lukas Mitterauer + Walter Reiter Wien, 31.1.1999

Inhalt

1 Einleitung und methodisches Vorgehen

2 Eckdaten zur Unternehmensgründung

2.1 Auswertung der Volkszählungsdaten

2.2 Auswertung des Mikrozensus

2.3 Das österreichische Gründungsgeschehen

2.4 Europäischer Vergleich

2.5 Unternehmenserfolg

3 Motive zur Unternehmensgründung

4 Theorien zur Unternehmensgründung

5 Bereitschaft zur Unternehmensgründung

6 Eigenschaften von JungunternehmerInnen

7 Hinderungsgründe, Probleme und Risiken

7.1 Hinderungsgründe für Selbständigkeit

7.2 Probleme bei der Unternehmensgründung

7.3 Risiken bei der Unternehmensgründung

8 Rahmenbedingung der Unternehmensgründung

8.1 Unterstützungsstrukturen zur Unternehmensgründung

8.2 Kenntnisse über Unterstützungseinrichtungen und Förderungen

9 Geschlechtsspezifische Aspekte

9.1 Chancengleichheit und Unternehmensgründung

9.2 Kinder und Unternehmensgründung

10 Die Rolle des Bildungssystems bei der Unternehmensgründung

11 Empfehlungen der Befragten

12 Literaturverzeichnis




  • 1. Einleitung und methodisches Vorgehen
  • Im Rahmen des Projektes "UNIUN - UniversitätsabsolventInnen und Studierende entwickeln Unternehmen" werden Studien zum aktuellen Gründungsgeschehen erstellt, die einerseits Voraussetzung für eine optimale Planung und andererseits als Input bei einzelnen Seminaren dienen sollen. Die vorliegende Studie "Potentialanalyse - Rahmenbedingungen zur Unternehmensgründung durch JungabsolventInnen" dient vor allem zur optimalen Planung der Maßnahme. AkademikerInnen stellen aufgrund ihres Bildungsgrades eine besonders interessante Gruppe für Unternehmensgründungen dar. Umso erstaunlicher ist es, daß nur jedeR sechste AkademikerIn selbständig ist, wobei wiederum ein großer Teil der Selbständigen in die sogenannten freien Berufe (RechtsanwältInnen, NotarInnen, selbständige Ärzte, ApothekerInnen) fällt. Die Ursachen für die geringe Zahl von Unternehmensgründungen durch AkademikerInnen zu erforschen, war ein Ziel dieser Untersuchung. Außerdem sollten Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensgründung ermittelt werden.

    Da L&R Sozialforschung zu einem ähnlich gelagerten Thema bereits eine Studie erstellt hat (Mitterauer et al., 1998), konnte bereits auf ein umfangreiches Datenmaterial zurückgegriffen werden, das für die spezielle Ausrichtung der vorliegenden Potentialanalyse neu ausgewertet und interpretiert wurde. Da bei UNIUN ein Schwerpunkt bei der Unternehmensgründung durch weibliche Akademikerinnen liegt, sollten insbesondere geschlechtsspezifische Aspekte in den Detailauswertungen Berücksichtigung finden. Ergänzt wurde das bereits existente Datenmaterial durch Telefoninterviews mit HochschulabsolventInnen der Universität Wien und der Technischen Universität Wien. Weiters wurde eine umfangreiche Literaturrecherche und -analyse durchgeführt und bestehende Datenbestände sekundärstatistisch aufbereitet. Ergänzend wurden ExpertInnen zu den relevanten Themen befragt.

    Insgesamt konnte bei der Studie auf folgendes Datenmaterial zurückgegriffen werden:

    Im Rahmen des Projekts wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, in deren Rahmen die relevante Literatur zur Unternehmensgründung aufbereitet und neuere (Forschungs-)Berichte analysiert wurden.

    Die ExpertInnenbefragung erfolgte mittels leitfadengestützter Interviews und Gruppendiskussionen. Die ExpertInnen kamen aus dem Bankensektor, waren VertreterInnen von Beratungsstellen oder gehörten Fördereinrichtungen an. Die durchschnittliche Dauer der Interviews betrug eine Stunde.

    Mit JungunternehmerInnen wurden elf halbstrukturierte Interviews geführt. Die UnternehmerInnen entstammten den unterschiedlichsten Branchen und wurden gezielt so ausgewählt, daß Aspekte möglichst verschiedener Lebensumstände und familiärer Verhältnisse vertreten waren. Die Kontakte zu den JungunternehmerInnen wurde einerseits über einschlägige Veranstaltungen zur Gründungsproblematik und andererseits über die Interessensvertretungen hergestellt.

    Die Befragungen der DiplomandInnen und AbsolventInnen erfolgte mittels standardisiertem Fragebogen, der die Themenfelder "Vorstellungen zum Beruf", "Allgemeines zur Unternehmensgründung", "Eigenschaften und Fähigkeiten von JungunternehmerInnen", "Risiken und Hindernisse der Unternehmensgründung" und potentielle "Unternehmensinhalte" abdeckte. Weiters wurden Fragen zum Förderwesen, der Finanzierung und zum Verhältnis "Universität - Unternehmensgründung" gestellt.

    Der Fragebogen wurde an 600 AbsolventInnen der Universität Wien versandt. Von den retournierten Fragebögen konnten 99 in die Analyse aufgenommen werden. Die DiplomandInnen wurden persönlich in Rigorosen, DiplomandInnenseminaren und über DiplomarbeitsbetreuerInnen kontaktiert. Insgesamt füllten 283 DiplomandInnen einen Fragebogen aus. In Summe kamen 382 Fragebögen zur Auswertung.

    In einem weiteren Untersuchungsschritt wurden 46 Telefoninterviews mit AbsolventInnen der Universität Wien und Technischen Universität Wien geführt. Die Interviews behandelten überdies die Themenfelder "soziographischer und familiärer Hintergrund", "Bildung", "Bereitschaft zur und Bedeutung von Selbständigkeit", "Bereitschaft zur Teilnahme an einem Förderprojekt", "Erwartungen an ein solches Projekt".

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  • 2. Eckdaten zur Unternehmensgründung


  • 2.1 Auswertung der Volkszählungsdaten
  • Zur Analyse der Situation der Berufstätigen wurden die Daten der beiden letzten Volkszählungen ausgewertet. Hierbei ergaben sich deutliche Veränderungen in der Struktur der Berufstätigen vor allem in den Bereichen "höchste abgeschlossene Schulbildung", "Geschlecht", "Berufsklasse", "Studienrichtung" und "Stellung im Beruf".

    Bei der Analyse nach höchster abgeschlossener Schulbildung konnte man im obersten Bildungssegment - Universität, Akademie und hochschulverwandte Ausbildungen - die größten Steigerungsraten verzeichnen (+48%). Demgegenüber sank die Zahl berufstätiger PflichtschulabsolventInnen um 22%. War früher der Postsekundarbereich eine Domäne der Männer, liegt der AkademikeInnenranteil unter Einbeziehung der hochschulverwandten Abschlüsse bei den berufstätigen Frauen mit 7,9% etwas höher als bei den Männern (7,6%).

    Die überwiegende Zahl der AkademikerInnen ist in der Berufsabteilung "Technische und medizinische Fachkräfte, Lehr- und Führungskräfte" zu finden. Zwischen den beiden Volkszählungen sank jedoch der Anteil geringfügig von 84% auf 81% der AkademikerInnen. Der zweitgrößte Berufsbereich für HochschulabsolventInnen sind die Büroberufe, wo 7,2% zu finden sind.

    In dem 10-Jahresfenster zwischen 1981 und 1991 kam es auch zu deutlichen Veränderungen der AkademikerInnenzahlen nach Studienrichtungsgruppe. Stellten 1981 die MedizinerInnen mit 19.000 Personen noch die größte Gruppe dar, fielen sie bis 1991 auf den zweiten Platz zurück. Die geisteswissenschaftlichen Studienrichtungen hingegen weisen nunmehr mit 32.000 Personen die größte Zahl an Berufstätigen aus. Obwohl die absolute Zahl an Berufstätigen auch bei den Rechtswissenschaften und den technischen Wissenschaften deutlich gestiegen ist, verringerten sie ihre Anteilswerte. Dies liegt vor allem an den überproportionalen Steigerungsraten bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. In dieser Gruppe verdoppelte sich die Zahl der AbsolventInnen auf 28.000. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der berufstätigen HochschulabsolventInnen zwischen 1981 und 1991 von 134.000 auf 198.000. Die Analyse nach Studienrichtungsgruppe und Geschlecht zeigt, daß es in den Fachgruppen Theologie, Rechtswissenschaften und Veterinärmedizin zu einer Verringerung der Disparitäten, hingegen in den Gruppen der technisch-naturwissenschaftlichen und künstlerischen Studien zu einer Vergrößerung gekommen ist.

    Während die Zahl der Berufstätigen zwischen 1981 und 1991 von 3.411.521 auf 3.684.282 gestiegen ist (+8%), sank die Zahl der Selbständigen im gleichen Zeitraum von 399.000 auf 349.000 (-13%). Die Reduktion in absoluten Zahlen war bei beiden Geschlechtern zwar gleich ausgeprägt, da aber der Beschäftigungsanstieg zwischen 1981 und 1991 stärker auf Zuwächse der Frauen zurückzuführen ist, sank der Anteil der Selbständigen bei Ihnen stärker als bei den Männern.

    Bei der Variable "Stellung im Beruf" kombiniert mit der höchsten abgeschlossenen Schulbildung ergibt sich, daß zwischen 1981 und 1991 die Zahl der Selbständigen mit maximal Pflichtschule als höchste abgeschlossener Schulbildung am deutlichsten abgenommen hat. Den größten Zuwachs hingegen konnten die HochschulabsolventInnen verzeichnen. Analysiert man die Befunde allerdings nach Studiengruppen, fällt auf, daß die Entwicklung keinesfalls in allen Studienrichtungen ähnlich verlaufen ist. Relativ zur Veränderung der Zahl der Berufstätigen stieg die Zahl der Selbständigen vor allem in den Geisteswissenschaften (66% zu 170%), den künstlerischen Studien (27,9% zu 52,8%), den Studien der Bodenkultur (38% zu 56%) und den naturwissenschaftlichen Studien (47,2% zu 103%).

    In den technischen Studienrichtungen (46% zu 49%) und den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (88% zu 77%) und der Veterinärmedizin (34% zu 31%) sind die Veränderungen bei Selbständigen und Unselbständigen etwa gleich ausgeprägt. Unterdurchschnittliche Potentiale für Selbständigkeit gibt es bei den Rechtswissenschaften (33% zu 20%), der Medizin (51% zu 25%) und der Pharmazie (25% zu 17%).

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  • 2.2 Auswertung des Mikrozensus
  • Der Mikrozensus ist eine vierteljährliche Befragung von rund 60.000 Personen. Im Grundprogramm werden vor allem Daten zur beruflichen und sozialen Stellung erhoben. Da jede Person zwei Jahre in der Stichprobe des Mikrozensus verbleibt, können Berufsverläufe und somit auch der Wechsel von einer unselbständigen zu einer selbständigen Tätigkeit - hier "GründerInnen" genannt - nachgezeichnet werden.

    Die Auswertung der Mikrozensusdaten von 1991 (2. Quartal) bis 1993 (4. Quartal) zeigt deutliche Unterschiede zwischen Selbständigen und GründerInnen einerseits und AkademikerInnen und Selbständigen anderer Bildungsschichten andererseits:

    Die selbständigen AkademikerInnen konzentrieren sich wegen des späteren Berufseinstiegs und der Bildungsexpansion seit den 70er Jahren viel stärker um die mittleren Jahrgangsgruppen (31-50 Jahre) als die Gesamtheit der Selbständigen (37% gegenüber 53%). Die Altersklasse der 31-40-jährigen weist den höchsten Anteil an GründerInnen auf (24%). Bei den AkademikerInnen fallen sogar 42% der GründerInnen in diese Altersklasse.

    Die Auswertung nach Geschlecht zeigt vor allem bei den Männern einen deutlich männlichen Überhang. Während sich bei den GründerInnen gesamt Frauen und Männer ziemlich die Waage halten, beträgt das Verhältnis bei den AkademikerInnen rund 2:3. Aber auch nach anderen soziographischen Merkmalen gibt es Unterschiede zwischen selbständigen AkademikerInnen und Selbständigen anderer Bildungsgruppen. So weisen die AkademikerInnen höhere Grüdungsraten auf. Auch der Ausländeranteil ist bei akademischen Selbständigen etwas höher (4% gegenüber 1%).

    Der/die typische UnternehmerIn ist verheiratet. Dies gilt insbesondere für AkademikerInnen. Während bei allen Selbständigen 74% in die Kategorie verheiratet fallen, sind dies bei den HochschulabsolventInnen sogar 80%. Bei den GründerInnen ist der Anteil der Verheirateten dafür etwas geringer. R liegt bei allen GründerInnen bei 64% und bei den GründerInnen mit Hochschulabschluß bei 69%.

    Analysiert man die Selbständigen nach Bundesland, fällt auf, daß im Burgenland, Niederösterreich und in Oberösterreich der Anteil der Selbständigen mit Hochschulabschluß deutlich geringer als der Anteil an allen Selbständigen ist. Alle anderen Bundesländer haben ähnlich hohe Anteile an Selbständigen und selbständigen AkademikerInnen. Nur das Bundesland Wien nimmt eine Sonderstellung ein. Hier sind 6% aller Selbständigen, aber 25% aller akademischen Selbständigen zu finden. Selbständige AkademikerInnen konzentrieren sich offensichtlich auf die städtischen Regionen. Dies wird auch durch die Anteile nach Agrarquote bestätigt. Während sich nur 35% aller Selbständigen in Gebieten mit einer Agrarquote unter 5% befinden, beträgt der entsprechende Wert bei den AkademikerInnen 81%.

    Als letzte Variabel wurde die wöchentliche Arbeitszeit analysiert. Insgesamt liegt die Arbeitszeit der Selbständigen weit über der Arbeitszeit der Unselbständigen. 49% der Selbständigen geben eine Wochenarbeitszeit über 51 Stunden an. Bei den selbständigen AkademikInnen fallen nur 33% in diese Kategorie. Entgegen des Selbständigen orientieren sich die GründerInnen deutlich öfter an einer 40-Stundenwoche. 59% geben an zwischen 31 und 40 Stunden pro Woche zu arbeiten.

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  • 2.3 Das österreichische Gründungsgeschehen
  • Das österreichische Gründungsgeschehen des Jahres 1997 wurde sehr detailliert im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten analysiert (Wanzenböck, 1998). Diese Arbeit liefert eine Fülle relevanter Informationen über die Struktur der Gründungsbetriebe in Österreich. Einige Studienergebnisse weichen von den im vorigen Abschnit dargestellten Mikrozensusdaten ab, da der Begriff Gründung hier ganz anders definiert wird. In der Studie von Wanzenböck wurden ausschließlich die Daten der Wirtschafts- und der Landwirtschaftskammer verwendet, während der Mikrozensus auf eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung zielt.

    Die durchschnittliche Gründungsgröße beträgt bei Neugründungen 1,2 Mitarbeiter. Demgegenüber liegt die Unternehmensgröße bei Übernahmen bei 3,0 Mitarbeitern. Besonders auffällig ist dabei der Rückgang der durchschnittlichen MitarbeiterInnenzahl bei den Übernahmen seit 1990. Die Vergleichsmittelwerte des Jahres 1990 lagen bei 1,3 MitarbeiterInnen bei den Neugründungen und 7,5 MitarbeiterInnen bei Übernahmen.

    Für das Projekt UNIUN, das einen Schwerpunkt auf die Förderung weiblicher GründerInnen gelegt hat, sind geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Gründern und GründerInnen von besonderem Interesse:

    Die Untersuchung zeigt auch, daß seit 1990 wesentliche quantitative und qualitative Veränderungen in bezug auf Unternehmensgründung stattgefunden haben. Im Bereich der Wirtschaftskammer ist die Zahl der Gründungen im Jahr 1997 um mehr als die Hälfte höher als im Vergleichsjahr 1990. Allerdings ist die Zahl der pro Gründung geschaffenen unselbständigen Arbeitsplätze im Vergleich zu 1990 gesunken. Aufgrund der Zunahme der Zahl der Gründungen wurde jedoch insgesamt im Gründungsjahr 1997 deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als 1990. Für eine Gesamtbeurteilung des Arbeitsplatzeffektes müßten allerdings auch Schätzungen der Arbeitsplatzverluste - etwa durch Substitutionseffekte - und des erst mit Verzögerung einsetzenden Wachstums von jungen Unternehmen berücksichtigt werde (vgl. Wanzenböck, 1998, S126ff).

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  • 2.4 Europäischer Vergleich
  • Selbständige Erwerbstätigkeit ist zunehmend ein Brennpunkt der europäischen Beschäftigungsstrategie geworden, vor allem aus der Überlegung heraus, daß Neugründungen von Unternehmen und die Stärkung des Unternehmergeistes nicht nur die Anzahl der Selbständigen, sondern auch die Beschäftigung insgesamt positiv beeinflussen. Auch in der Arbeitsmarktpolitik ist die Förderung selbständiger Erwerbsarbeit als möglicher Schritt aus der Arbeitslosigkeit verankert.

    Die Entwicklung der Selbständigkeit wird deutlich von der Abnahme der Landwirtschaft und der zunehmenden Bedeutung von Dienstleistungen geprägt. Die Vorstellungen von Selbständigkeit werden überwiegend als Gegenteil von abhängiger Beschäftigung entwickelt. Hierbei spielt jedoch auch die Frage eine Rolle, ob und in welcher Form Selbständige sozialversicherungspflichtig sind. In dieser Hinsicht sind die Erfahrungen aus den einzelnen EU-Mitgliedsländern unterschiedlich. In einigen besteht überhaupt kein sozialversicherungsrechtlicher Schutz (wie in Deutschland), in anderen besteht ein auf die Selbständigkeit zugeschnittener eigenständiger (partieller) Schutz (wie in Belgien, Griechenland, Italien und Finnland).

    Ein wichtiger Aspekt selbständiger Erwerbstätigkeit ist, ob sie ohne Personal alleine oder mit Personal durchgeführt wird. Der Anteil derjenigen Selbständigen, die allein arbeiten oder allenfalls von mithelfenden Familienangehörigen bzw. Auszubildenden unterstützt werden, überwiegt in den meisten EU-Ländern. Mithelfende Familienangehörige sind vor allem in der Landwirtschaft, aber auch im Einzelhandel anzutreffen.

    Die Europäische Kommission (1996) weißt für 1995 im EU-Durchschnitt (EU15) eine Selbständigenquote von 14,9% der Beschäftigen aus. Im Jahre 1991 lag die Selbständigenquote noch bei 15,4%, die Tendenz ist also fallend. Für Österreich wird eine leicht unterdurchschnittliche Quote von 12,0% angeführt. Die Tendenz ist allerdings steigend, 1991 lag die Selbständigenquote bei 10,2%.

    Durchwegs hohe Selbständigenanteile bei gleichzeitig niedrigen Beschäftigungsquoten weisen die wirtschaftlich schwächeren Länder auf. So hat Griechenland 33,8% Selbständige, Portugal 25,8%, Spanien 21,8% und Irland 20,8%. Allzu hohe Selbständigenquoten dürften daher eher ein Hinweis auf die Not sein, der Arbeitslosigkeit durch Selbständigkeit zu entgehen. Im Vergleich dazu weisen wirtschaftlich stärkere Staaten deutlich niedrigere Quoten aus. Deutschland kommt auf einen Selbständigenanteil von 9,4%, Schweden liegt bei 11,3% und Frankreich bei 11,6%.

    Bei den Gründungsquoten liegt Österreich mit 2,9 Unternehmensgründungen pro 1000 Einwohnern sehr niedrig. Im Vergleich dazu weist Deutschland eine Gründungsquote von 6,2 und Italien eine Gründungsquote von 4,8 auf (vgl. AMS, 1998 S 8).

    Die sehr niedrige Gründungsquote wird zum Teil durch eine sehr hohe Überlebensquote kompensiert. Mit 72% weist Österreich innerhalb der EU(15) mit Abstand die höchste Überlebensquote auf. Es folgen Deutschland mit 63% und Schweden mit 59%. Die niedrigsten Überlebensquoten gegründeter Unternehmen haben die Staaten Luxemburg, Großbritannien und Portugal.

    Die sektorale Zuordnung der Selbständigen unterscheidet sich ebenfalls wesentlich in den einzelnen Ländern. Allerdings befanden sich 1995 in allen Mitgliedsländern die überwiegende Mehrheit der Selbständigen im Dienstleistungssektor. Im EU-Durchschnitt entfielen knapp zwei Drittel aller Selbständigen oder 9% aller Berufstätigen auf diesen Bereich. Die deutlichsten Unterschiede treten jedoch sicherlich bei den Selbständigen im Agrarsektor auf. In den wirtschaftlich schwächeren Regionen Europas ist nämlich nicht nur die Selbständigenquote, sondern auch der Anteil der Selbständigen im Agrarsektor sehr hoch. Allerdings können die Selbständigenanteile dieser Länder nur zu einem geringen Teil auf die Beschäftigung im Agrarsektor zurückgeführt werden.

    Im europäischen Kontext von besonderer Relevanz ist die Frage, wie sich Arbeitslosigkeit auf die Zahl der Unternehmensgründungen auswirkt. In Großbritannien hat in den 90er Jahren die Rezession die Zahl der Selbständigen stärker reduziert als die Zahl der abhängig Beschäftigten, die Selbständigenquote also gesenkt. In der Mehrzahl der anderen Länder wird Arbeitslosigkeit überwiegend als push-Faktor eingestuft. In Irland hat während stagnativer/rezessiver Phasen ein starker Anstieg der Zahl der Selbständigen stattgefunden; die positive Beschäftigungsentwicklung ging in einer der Perioden allein auf die Zunahme bei den Selbständigen zurück. Aus Deutschland wird ebenfalls von einem positiven Einfluß der Arbeitslosigkeit auf das Gründungsgeschehen berichtet. 15% der Personen, die sich Anfang der neunziger Jahre selbständig gemacht haben, waren zuvor arbeitslos. Umfragen in Griechenland belegen ebenfalls, daß die Vermeidung von Arbeitslosigkeit und der Mangel an abhängigen Beschäftigungsmöglichkeiten Gründe für den Schritt in die Selbständigkeit waren. In manchen Ländern (Spanien) hat die Arbeitslosigkeit als push-Faktor allerdings nur eine geringe Bedeutung.

    In den meisten Ländern wird die selbständige Erwerbstätigkeit als unmittelbare Beschäftigungsmöglichkeit für Arbeitslose auch gefördert. Es existieren spezielle Existenzgründungsprogramme für Arbeitslose; dabei werden unter anderen folgende Instrumente eingesetzt: Kapitalhilfen (Belgien, Schweden), Zuschüsse (Deutschland, Griechenland, Spanien), Kapitalisierung des Arbeitslosengeldes (Spanien), die Unterstützung von entsprechenden Organisationsformen wie Arbeitgebergruppen, Kooperativen oder time-sharing-Institutionen für Manager (Spanien, Frankreich, Finnland). In den Niederlanden werden umfassende Initiativen für den Übergang von Personen in die Selbständigkeit entwickelt, die aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Nur in Dänemark hat man eine 1985 eingeführte Maßnahme, bei der Arbeitslose beim Übergang in die Selbständigkeit gefördert wurden, Anfang 1998 wieder abgeschafft.

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  • 2.5 Unternehmenserfolg
  • Eine wesentliche Frage für die Beurteilung des Gründungsgeschehens ist der Unternehmenserfolg. Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt, ist die Überlebensquote der Neugründungen in Österreich mit 72% außerordentlich hoch im europäischen Vergleich. In den von Wanzenböck (1998) untersuchten Betrieben betrug die Überlebensquote der 1997 gegründeten Unternehmen bis Juni 1998 sogar 91%. Einen signifkanten Einfluß auf die Überlebensquote haben die Faktoren "Branchenerfahrung", die "Art des Gewerbes", die "Anzahl der Gewerbeberechtigungen", das "Geschlecht", der "Existenzbeitrag der Gründung", die "Anzahl der GründerInnen" und die "Inanspruchnahme von Förderungen". Jene Unternehmer, die das 1997 gegründete Unternehmen 1998 noch besaßen, schätzen ihre Zukunftsaussichten mehrheitlich positiv ein. Lediglich 7,9% der auskunftsbereiten Personen gaben an, nicht an ein längerfristiges Fortbestehen ihres Unternehmens zu glauben. Besonders auffällig dabei ist die hohe Überlebensquote im Handwerk.

    In einer anderen Studie (AMS, 1998), wo ein deutlich größeres Zeitfenster der Unternehmensgründung gewählt wurde, beurteilten sogar über 80% der Unternehmen ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als positiv, das heißt sie bewerteten sie mit "sehr gut", "gut" oder "mittel". Nur rund 13% der RespondentInnen klagten über eine momentan schlechte wirtschaftliche Lage. Dabei treten Unterschiede nach dem Gründungszeitpunkt auf. Die erwartete wirtschaftliche Lage des Betriebes wird von den Unternehmen, die zwischen 1990 und 1996 gegründet wurden, besser beurteilt als von jenen, die vor 1990 ihr Unternehmen gründeten.

    Im Rahmen dieser Studie wurden die UnternehmerInnen auch nach den Voraussetzungen für erfolgreiche Unternehmensgründung gefragt:

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  • 3. Motive zur Unternehmensgründung
  • Die Studien zur Motivation ein Unternehmen zu gründen decken sehr unterschiedliche Motivbündel auf, die eine einheitliche Bewertung schwierig machen. Mugler (1993, S.12) führt als die wichtigsten Motive das Streben nach sozialer Machtstellung, Freude am schöpferischen Gestalten und das Erfolgsstreben um des Erfolges willen an. Diese Aspekte decken sich großteils mit den Argumenten Schumpeters (1912), einer der großen Theoretikers zur Unternehmensgründung. Demgegenüber sind für Plaschka (1986) vornehmlich folgende Gründungsmotive ausschlaggebend: Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit, Erreichen von Entscheidungs- und Handlungsfreiheit und Wunsch nach höherem Einkommen. Plaschka betont dabei, daß erfolgreiche GründerInnen eine stärkere Ausprägung der Faktoren Leistungsstreben, Erfolgsstreben und Innovationsstreben gegenüber dem Streben nach Rollenwechsel, Unabhängigkeit und Vermögensbildung aufweisen. Damit kann die von den meisten GründerInnen erwünschte Unabhängigkeit erst dann verwirklicht werden, wenn ein starkes Leistungsstreben der Person vorhanden ist. Dieses ist immerhin bei 15% der UnternehmensgründerInnen das ausschlaggebende Motiv (Wanzenböck, 1998).

    Eine besondere Bedeutung dürfte der Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung als Gründungsmotiv zukommen. Immerhin 27% der JungunternehmerInnen gaben dies als Hauptfaktor an (Wanzenböck, 1998). In den Untersuchungen von Zumtobel sind es 41% der Befragten, die dieses Motiv anführen, bei Sautner (1985) sogar 47%. Bei den im Rahmen dieser Studie durchgeführten Telefoninterviews sahen die meisten AbsolventInnen "Freiheit", Unabhängigkeit" und "Verwirklichung der eigenen Interessen" als wesentlichste Pull-Faktoren zum Schritt in die Selbständigkeit an. In einer anderen Befragung (AMS, 1998) von österreichischen UnternehmerInnen war es ebenfalls das überragende Motiv, der/die eigene ChefIn zu sein. Ausschlaggebende Rahmenbedingungen, um den Schritt zur/zum UnternehmerIn zu wagen, waren für die Befragten das Vertrauen in ihre langjährige Branchenerfahrung, das Vorhandensein von tragfähigen Geschäftsbeziehungen sowie das Vorhandensein eines guten Unternehmenskonzepts. Bereits diese Anforderungen lassen vermuten, daß das Lebensalter einen großen Einfluß auf die Motivlage hat. Um so älter die Unternehmensgründer sind, um so weniger Risiko sehen sie in einer Unternehmensgründung und um so mehr vertrauen sie auf ihre bisherigen Geschäftserfahrungen.

    Müller hingegen (1998) führt an, daß sowohl Selbständige wie auch Unselbständige die finanziellen Vorteile als wichtigsten Anreiz sehen, ein Unternehmen zu gründen. Danach folgen erst ideelle und berufliche Faktoren wie Anerkennung und Wertschätzung. Als weitere Anreize werden Spaß, Freude und Selbstbestimmung genannt. Unselbständig Erwerbstätige schätzen diese beruflichen und privaten Anreize optimistischer ein. Umstände, die durch die Realitätsprüfung der unternehmerisch tätigen Personen realistischer und damit etwas negativer eingeschätzt werden.

    Aus der Arbeitslosigkeit oder aus unbefriedigenden Arbeitsverhältnissen auszubrechen, kann als Push-Faktor oder negativer Anreiz zur Unternehmensgründung verstanden werden. Push-Faktoren wie Arbeitslosigkeit sind gerade für Frauen auf Grund der herrschenden Arbeitsmarktlage ein nicht zu unterschätzendes Motiv, ein Unternehmen zu gründen (vgl. Jungbauer-Gans und Ziegler, 1991; Kailer, 1990). Immerhin 12% (Wanzenböck, 1998) bzw. 14% (Ambos, 1989) der Jungunternehmerinnen geben Arbeitslosigkeit als Hauptmotiv für den Schritt in die Selbständigkeit an. Aber auch für ältere UnternehmensgründerInnen spielt Arbeitslosigkeit eine stärkere Rolle (AMS, 1998). Aufgrund der geänderten gesellschaftspolitischen Situation wird diesem Motiv in Hinkunft sicherlich größere Bedeutung zukommen (vgl. Leopold, 1997).

    Zwischen den Geschlechtern treten deutliche Unterschiede in den Motivlagen auf. Für Frauen bedeutet, ein Unternehmen zu gründen, daß sie aus ihrer traditionellen Rolle ausbrechen (vgl. Hierzer, 1997; Assig, 1985). Für diese Entscheidung müssen nach Assig et al. (1985) weibliche Gründerinnen jedoch viel mehr Motivation aufbringen als männliche Gründer. In mehreren Untersuchungen über Leistungsmotivationsunterschiede von Frauen und Männern wurde gezeigt, daß die Geschlechtsrollenorientierung eine wesentliche Determinante der beruflichen Karriereorientierung (des Erfolges) ist, wesentlicher als das Geschlecht selbst (vgl. Alfermann, 1991; Abele, 1994). Auch Spence und Helmreich (1980) führen aus, daß es nicht das biologische Geschlecht, sondern das psychologische, die Geschlechtsrollenorientierung ist, die die berichteten Unterschiede in der Leistungsmotivation erklärt.

    Während für viele Gründerinnen das Aufbrechen traditioneller Rollen wichtig ist, gibt es auch zahlreiche Jungunternehmerinnen, die eine Familientradition fortführen. Während nur 8% der Männer als wichtigstes Gründungsmotiv angeben, zum Jungunternehmer erzogen worden zu sein, beträgt der entsprechende Prozentsatz bei den Frauen 15% (Wanzenböck, 1998).

    Weiters erwarten sich Frauen, stärker als Männer, zeitliche Flexibilität als Unternehmerin, um Kinder, Unternehmen und Familie unter einen Hut zu bringen. Während der Gründungsphase bis zur Etablierung am Markt ist eine umfassende Unterstützung durch die Familie motivationsfördernd. Allen und Truman (1993, S.90) formulieren beinahe identisch, daß die Hauptmotivation für Frauen darin liegt, eine Situation zu schaffen, die eine Kombination von fairem Einkommen ohne Vernachlässigung der familiären Verantwortung ermöglicht (vgl. auch Steiner, 1996 S.75). Typisch für einen Teil der weiblichen Lebensläufe ist es, daß Frauen zumeist erst dann auf die Idee kommen, ein Unternehmen zu gründen, wenn die Zeit, in der sie sich intensiv um ihre Familie kümmern müssen, vorbei ist. Oft ist das Alter aber ein Ausschlußkriterium von den Existenzgründungsförderungen, wodurch hochqualifizierte Frauen mit großer Berufserfahrung oft unnötig in ihrer Unternehmensgründung entmutigt oder behindert werden (vgl Assig et al., 1985).

    Für Frauen ist die Erhöhung des Einkommens weniger wichtig als für Männer (vgl. Hierzer, 1997). Dies zeigt auch die Befragung von Wanzenböck (1998). Während 16% der Männer Vemögensbildung als ausschlaggebendes Motiv der Unternehmensgründung angaben, waren es bei den Frauen nur 7%. So verwundert es nicht, daß die subjektive Zufriedenheit von weiblichen Unternehmerinnen auch dann groß ist, wenn das Unternehmen ökonomisch nicht so erfolgreich oder finanziell unsicher ist. Die Frauen bekommen ihre qualitativen, inneren Erfolgskriterien mittels Unabhängigkeitsgefühl, Lebensqualität und verbesserter Arbeitsbedingungen durchaus erfüllt (Assig, 1992).

    Oben angeführte Motivlagen zeigen, daß mit einer Unternehmensgründung eine Fülle von Erwartungen verknüpft sind, die zumeist nur zum Teil erfüllt werden können. Umso erfreulicher ist es, daß mehr als 80% der JungunternehmerInnen davon überzeugt sind, die richtige Entscheidung getroffen zu haben (AMS, 1998). Der Vergleich zwischen Unternehmensneugründungen und Übernahmen zeigt, das NeugründerInnen häufiger ihre Entscheidung, sich selbständig zu machen, positiv bewerten, hingegen bei Personen, die ein Unternehmen übernahmen, retrospektiv öfter Zweifel oder sogar Reue geäußert wird. Die Analyse der Daten ergab vor allem drei Faktoren, die einen wesentlichen Einfluß auf eine positive bzw. negative Bewertung der Gründung haben:

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  • 4. Theorien zur Unternehmensgründung
  • Ein grober Überblick über die unterschiedlichen Theorien zur Unternehmensgründung zeigt bereits die Vielfalt möglicher Ansätze, die jeweils ein spezifisches wirtschaftliches Weltbild und spezielle Ansichten über das gesellschaftliche Miteinander vermitteln. Nach Schumpeter (1931) ist die Aufgabe des Entrepreneurs das Finden von neuen Kombinationen, die kreative Zerstörung des Gleichgewichtes auf dem Weg zu einem überlegenen Gleichgewicht. Unter neuen Kombinationen werden Produkte oder Produktionsmethoden, die Erschließung neuer Märkte oder neuer Ressourcen verstanden. McClelland (1971) orientiert sich am "need of achievment" (Antrieb für unternehmerische Tätigkeit). Hier steht die persönliche Verantwortung der/des UnternehmerIn, eine gemäßigte Risikoübernahme und ein hohes Maß an Ergebnisorientierung im Vordergrund. Shapero (zit. nach Chell, 1986) wiederum geht es um den Antrieb, der eineN einzelneN dazu veranlaßt, ein Unternehmen zu gründen. Im Vordergrund steht der Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und sozialer Anerkennung. Krets de Vries (zit. nach Chell, 1986) charakterisiert den Entrepreneur unter besonderer Berücksichtigung seines familiären Hintergrundes und seiner persönlichen Entwicklung. Ausgehend von einer aggresiven, unstetigen und impulsiven Persönlichkeit ist die/der UnternehmerIn nicht in der Lage, sich in einer stabilen, festgelegten Umgebung zurechtzufinden. Pinchot (1988) konzentriert sich hingegen auf Eigenschaften und Fähigkeiten, die GründerInnen in sich vereinen sollten. Hierunter fallen Führungsqualitäten, Entscheidungsfreudigkeit, selbständiges Arbeiten. Untere Tabelle veranschaulicht die divergierenden UnternehmerInnenkonzepte:

    Tabelle 1: Theorien zur Unternehmensgründung

    Theoretiker

    Inhalt

    Schumpeter

    Erkennen von Möglichkeiten, Innovation, beschränktes Risiko, Kampfgeist, Kreativität, Ausdauer

    McClelland

    persönliche Verantwortung, gemäßigte Risikoübernahme, Ergebnisorientierung

    Shapero

    Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, sozialer Anerkennung (Bewunderung)

    Kets de Vries

    Unstetigkeit, Unvermögen sich in stabiler festgelegter Umgebung zurechtzufinden, Aggressivität, impulsiv

    Pinchot

    Führungsqualitäten, Teams aufbauen, Entscheidungsfreudigkeit, selbständiges Arbeiten, Branchenkenntnisse

     

    Die Vielzahl vorhandener Gründungstheorien wird etwa in den Arbeiten von Korunka und Frank (Frank,1997; Frank, 1991; Korunka & Frank, 1996; Korunka, Frank & Becker, 1993) überblicksartig dargestellt. Im Zentrum stehen zumeist die Person der/des GründerIn und ihr/sein unmittelbares Umfeld oder das zu gründende Unternehmen (vgl. Korunka & Frank, 1996; Hunsdiek & May-Strobl, 1986). Die Fülle an Konzepten legt eine Klassifikation nahe, die die folgenden Ansätze unterscheidet:

    Der Großteil der Theorien fällt sicherlich in den Trait-Ansatz. Hier wird versucht Eigenschaften zu lokalisieren, die eine optimale Identifikaton von GründerInnen gegenüber NichtgründerInnen ermöglicht.

    Eine neuere wirtschaftspsychologische Arbeit von Wiswede (1995) fast als zentrale Persönlichkeitseigenschaften Selbstvertrauen, Ausdauer, Dynamik, Profit-Orientierung, Optimismus, Wachsamkeit, Sozialinitiative, Flexibilität und Dominanzstreben auf. Weiters schreibt Wiswede (1995, S.119) dem Unternehmertum eine antizipative (Fähigkeit zur Vorausschau, Gratifikationsaufschub), eine spekulative (Risikoverhalten), eine innovative, eine applikative (Erreichen von wirtschaftlichen Erfolg durch Ausbeutung von Gelegenheiten) und eine profitive Komponente zu.

    Es treten allerdings zwischen den Geschlechtern Unterschiede in den Eigenschaften auf. In der Studie von Assig et al. (1985) wurde von Unternehmerinnen an erster Stelle Mut gefolgt von Initiative, Flexibilität, Organisationstalent und Selbstvertrauen genannt, wohingegen Männer u.a. Selbstbestimmtheit, gefolgt von Selbstvertrauen, Selbsteinschätzung, Überzeugungskraft, Macchiavelismus und Organisationstalent als kennzeichnend für Gründungen sehen. Diese Motive werden als positive Anreize oder Pull-Faktoren bezeichnet. Die Unterschiede zwischen Gründerinnen und Gründern sind allerdings nicht sehr stark ausgeprägt (vgl. Assig et al., 1985 S.94; Voigt, 1994 S.128).

    Die Humankapitaltheorie (Steigerung des Einkommens bei höherem Humankapital) wurde auch in Zusammenhang mit Unternehmensgündungen angewendet. Es ist anzunehmen, daß Personen mit besserer Ausbildung und längerer Berufserfahrung mehr Aussichten auf Erfolg bei der Gründung haben als Personen mit geringerem Humankapital (bei sonst äquivalenten Bedingungen). Die Leistungsfähigkeit der GründerInnen steht in direktem Zusammenhang mit der Bestandsfähigkeit des Unternehmens (Steiner, 1996). Jungbauer-Gans (1993) nennt in diesem Zusammenhang drei spezifische Arten von Humankapital, die für GründerInnen relevant sind: Selbständigkeits-, Führungs- und Branchenerfahrung.

    Über das Ausmaß der Differenzierungsmöglichkeiten aufgrund von Persönlichkeitseigenschaften existieren allerdings widersprüchliche Studien. So kommt Müller (1998) zu dem Schluß, daß es bei einigen entscheidenden Variablen kaum Unterschiede zwischen selbständig und unselbständig Erwerbstätigen gibt. Dies betrifft insbesondere Dispositionen wie Leistungsmotivation, Neigung zum Problemlösen und Bedürfnis nach sozialer Einflußnahme. Zwar sind UnternehmerInnen davon überzeugt, ihre Umwelt und ihr Leben aktiv beeinflussen zu können und führen daher ihren Erfolg auf ihr eigenes Handeln zurück (Mumelter & Spitzenberger, 1997), ähnliche Einstellungen finden sich allerdings auch bei vielen Unselbständigen. Das Merkmal, bei dem sich UnternehmerInnen deutlich von den Unselbständigen absetzen, ist in der Studie von Müller (1988) die Risikobereitschaft. Unternehmer gehen seltener als andere bei selbst gesteckten Zielen und Entscheidungen auf Nummer sicher.

    Frank (1997) faßte die in der Gründungsforschung genannten Eigenschaften zusammen und extrahierte drei wesentliche Faktoren:

     

    Eine ausgeprägte Machbarkeitsüberzeugung scheint jedenfalls erforderlich zu sein, um die Risiken einer Unternehmensgründung auf sich zu nehmen. Inwieweit hohe Machbarkeitsüberzeugung mit einer ausgeprägten Leistungsmotivation zusammenhängt und als Gründungseigenschaften anzusehen ist, ist nicht immer eindeutig, da auch Personen mit niedriger Leistungsmotivation aber hohem "locus of control" überdurchschnittlich oft UnternehmensgründerInnen sind. An dem Konstrukt Leistungsmotivation wird allerdings auch von anderer Seite Kritik geübt. So wird vor allem die Orientierung am Leistungsbegriff innerhalb eines männlichen Lebenszusammenhanges problematisiert (Haug, 1994a).

    Die höhere Risikoneigung wiederum ist unbestritten eine Eigenschaft, die bei GründerInnen stärker ausgeprägt ist, wobei auch hier nicht klar definiert ist, was unter Risikoneigung zu verstehen ist. Grundsätzlich wird Risiko sehr allgemein als Verhalten in einer Wahlsituation mit ungewissem Ausgang definiert (Siegel & Goldstein, 1959). Weiter differenziert wird allerdings nur sehr selten. So schreibt Luhmann (1991) "Sucht man nach Bestimmungen des Risikobegriffes, gerät man sofort in dichten Nebel und gewinnt den Eindruck, daß die Sicht nicht weiter als bis zur eigenen Stoßstange reicht. Die Begriffe Risikobereitschaft, Risikoeinstellung und Risikoverhalten werden in der Literatur nicht eindeutig voneinander getrennt, sondern oft im gleichen allgemeinen Sinn als eine zwischen Individuen unterschiedliche Verhaltensbereitschaft verwendet (vgl. Schlag, 1987). Klebelsberg (1989) trennt Risikoverhalten strikt von Risikoeinstellung und Risikobereitschaft und unterscheidet diese drei Komponenten wie folgt:

    In welchen dieser Komponenten sich Selbständige von Unselbständigen unterscheiden, ist nicht untersucht worden. Anhaltspunkte gibt eine Studie von Müller (1998) zu psychologischen, biographischen und verhaltens-ökonomischen Hintergründen und Faktoren selbständiger Erwerbstätiger. In dieser Untersuchung wurde unter anderem beschrieben, welche persönlichkeitsspezifische, familiäre, ausbildungsspezifische, berufsbiographische und verhaltensökonomische Merkmale es einer Person ermöglichen, sich auf die Herausforderung der Selbständigkeit einzulassen. Es bestehen vor allem Unterschiede bei den Merkmalen Kontrollbedürfnis und Risikovermeidung zwischen selbständig und unselbständig Erwerbstätigen. Selbständige haben ein höheres Kontrollbedürfnis ("locus of control") und weniger Risikovermeidungstendenzen als Unselbständige. Selbständige führen ihren Erfolg auf eigenes Zutun und nicht auf Glück zurück. Riskante Entscheidungen werden von selbständig Tätigen rascher, mit weniger Bedenkzeit getroffen. "Entrepreneurs are not afraid to take risks, but they insist on the calculated variety, and they avoid "double or nothing" opportunities like the plague (Goldstein, 1982 S.29)." Ausgehend von diesen Befunden könnte der Unterschied zwischen Selbständigen und Unselbständigen in folgenden Faktoren begründet sein:

    Wie bereits oben ausgeführt, wurden zu Beginn der Gründungsforschung Persönlichkeitsmerkmale der GründerInnen in den Mittelpunkt des Interesses gestellt. Der Grundgedanke war, daß sich die GründerInnen von der Durchschnittsbevölkerung durch ein differentes Bündel an situationsübergreifenden Persönlichkeitsdispositionen (Frank, 1991) unterscheiden. Die Traits-Forschung stieß allerdings sehr bald auf starke Kritik und es wurde vermehrt versucht "ökologische Perspektiven" in die Gründungsforschung zu integrieren. So wurden auch das engere wirtschaftliche Umfeld der Unternehmensgründung, Merkmale des Unternehmens, das mikrosoziale Umfeld des/der Gründers/Gründerin miteinbezogen und schließlich Theorieelemente, wie Branchenstruktur (industrial organization) hinzugefügt.

    Berücksichtigt man das Gründungsgeschehen der letzten Jahre, zeigt sich, daß es eine strukturelle Änderung gegeben hat, die die Einbeziehung der "Theorie der seelischen Gesundheit" von Becker (1982) besonders interessant erscheinen läßt. Hierdurch wird vor allem der Aspekt der Lebensqualität in die Konzeption einbezogen. So ist es beispielsweise ein wesentlicher Unterschied, ob die UnternehmerInnen aus freien Stücken oder aus arbeitsmarktpolitischen Zwängen heraus ein Unternehmen gründen. Die/der innovative, lustvolle UnternehmerIn, die/der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist (vgl. Schumpeter´s UnternehmerInnenkonstrukt), nimmt - rein quantitativ betrachtet - ab. Vor allem Frauen sind von dieser Form "erzwungener" Selbständigkeit betroffen. So werden Formen von Selbständigkeit beobachtet, die mehr dem Überleben in subsistenzwirtschaftlichem Sinne entsprechen als der gängigen betriebswirtschaftlichen Definition.

    Eine stark interaktionistische Konzeption, bei der das Zusammenspiel situativer und dispositioneller Faktoren eine wesentliche Rolle spielt, beschreiben Korunka und Frank (1996) mit dem Konstrukt der Handlungskontrolle. Grundlage dieses Konzeptes ist Lageorientierung oder Handlungsorientierung von Personen. In Situationen, in denen Mißerfolg befürchtet wird (Mißerfolgssituationen), zeichnen sich lageorientierte Personen durch ein übermäßiges Vertiefen der Problemstellung (preoccupation) aus, während handlungsorientierte Personen sich rasch davon lösen können (disengagement). Der notwendige Entscheidungsprozeß wird bei lageorientierten Personen übermäßig verlängert, wohingegen handlungsorientierte Personen ihn aktiv und rasch durchlaufen. Erfolgreiche GründerInnen zeichnen sich demnach durch eine stärkere Handlungsorientierung aus. Die empirischen Ergebnisse lassen jedoch keine eindeutige Aussage darüber zu, ob die Handlungsorientierung den Gründungserfolg prädeterminiert, oder ob der Gründungserfolg selbst das Ausmaß der Handlungsorientierung mitbeeinflußt.

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  • 5. Bereitschaft zur Unternehmensgründung
  • Das Potential zur Unternehmensgründung von Personen mit akademischer Bildung wird von allen Befragten sehr hoch eingeschätzt; dies bestätigen die Ergebnisse der Fragebogenuntersuchung. 71,5% der befragten DiplomandInnen und AbsolventInnen gaben an, sich bereits überlegt zu haben, selbständig zu werden. 43,2% können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Die Telefoninterviews bei AbsolventInnen ergaben zwar ebenfalls ein hohes Gründungspotential, allerdings etwas schwächer ausgeprägt. Genau 50% der Interviewten können sich eine Unternehmensgründung vorstellen oder sind bereits selbständig.

    Die Analyse nach soziographischen Merkmalen zeigt, daß Personen, die aus einem Haushalt kommen, wo zumindest ein Elternteil selbständig ist, hier höhere Antworthäufigkeiten ausweisen: 80% überlegten selbständig zu werden und 55% ein Unternehmen zu gründen. Die soziale Herkunft stellt somit einen bedeutenden Faktor bei der Unternehmensgründung dar. Dieser Zusammenhang wird auch von den befragten ExpertInnen und JungunternehmerInnen bestätigt und damit begründet, daß JungunternehmerInnen, die einer UnternehmerInnenfamilie entstammen, bei einer Unternehmensgründung auf weniger Schwierigkeiten stoßen, da sie von klein auf eine Unternehmenskultur kennen. Bei den insgesamt elf interviewten JungunternehmerInnen kamen nur drei nicht aus einer Familie mit zumindest einem selbständigen Elternteil.

    Die Befragten sollten neben ihrer grundsätzlichen Bereitschaft zur Selbständigkeit auch angeben, auf welchem Gebiet sie eine Unternehmensgründung planen bzw. welche Geschäftsidee sie verwirklichen wollen. Von den potentiellen UnternehmensgründerInnen wurden die folgenden konkreten Unternehmensinhalte genannt.

    Tabelle 2: Unternehmensinhalte potentieller GründerInnen

    Unternehmensinhalt

    Nennungen

    Prozent

    medizinisch-psychologische Dienstleistungen

    47

    25,8 %

    juristisch-wirschaftliche Dienstleistungen

    42

    23,1 %

    technisch-naturwissenschaftliche DL und Forschung

    25

    13,7 %

    Architektur, Bauingenieurswesen und Design

    16

    8,8 %

    Dolmetsch

    16

    8,8 %

    Handel und Produktion

    11

    6,0 %

    Wissenschaft, PR und Kommunikation

    8

    4,4 %

    Gastronomie, Tourismus

    7

    3,8 %

    Dekorateur

    1

    0,5 %

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Eine große Zahl der genannten Unternehmensinhalte folgt eher traditionellen akademischen Berufsbildern; hierunter fallen Arztpraxen, Rechtsanwalts- oder Architekturbüros. Es werden aber auch viele innovative Ideen genannt, wie ganzheitliche Gesundheitszentren, spezialisierte Consultingdienste im juristischen und ökonomischen Bereich oder technisch-naturwissenschaftliche Labors, die Analysen und dienstleistungsorientierte Forschung anbieten. Die Mehrzahl der differenzierten Unternehmensinhalte hat einen interdisziplinären Hintergrund und wäre somit eher in Form von Teamgründungen zu verwirklichen.

    Von besonderem Interesse war auch die Frage, ob die Bereitschaft zur Unternehmensgründung von der aktuellen Arbeitsmarktsituation beeinflußt wird. Nur ein Viertel der Befragten stellte einen Zusammenhang zwischen Selbständigkeit und Arbeitsmarktsituation her. Der Einfluß des Arbeitsmarktes wird allerdings großteils negativ gesehen. Manche der Befragten fühlen sich in eine unfreiwillige Selbständigkeit gedrängt, andere streben wegen der Arbeitsmarktsituation stabile und risikolose, unselbständige Beschäftigungen an. Die Bereitschaft zur Unternehmensgründung ist jedoch nur bei sehr wenigen auf die Arbeitsmarktsituation zurückzuführen. Bei den Befragten überwiegen Beweggründe wie der Wunsch nach Selbstverantwortung und nach der Verwirklichung eigener Ideen.

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  • 6. Eigenschaften von JungunternehmerInnen
  • Wie bereits im Kapitel zu den Theorien der Unternehmensgründung dargestellt, lassen sich GründerInnen am besten über einen Mix von Eigenschaften (traits) und Umweltfaktoren beschreiben. In der Fragebogenuntersuchung wurden die DiplomandInnen und AbsolventInnen danach gefragt, welche Merkmale aus einer vorgegebenen Liste besonders wichtig für GründerInnen sind. In diesem Abschnitt werden die Befunde dieses Befragungsteils dargestellt:

    Tabelle 3a: Merkmale von UnternehmensgründerInnen

    Variable

    %-sehr wichtig

    Durchhaltevermögen

    67,9%

    Leistungsmotivation

    67,1%

    Information

    57,7%

    Kreativität

    55,8%

    Verantwortungsbewußtsein

    55,6%

    selbstsicheres Auftreten

    55,1%

    Disziplin

    50,4%

    Flexibilität, Anpassungsfähigkeit

    50,1%

    Quelle: L&R Datafile

    Vor allem zwei Eigenschaften werden von den DiplomandInnen und AbsolventInnen als überaus wichtig erachtet: Sowohl das Durchhaltevermögen (67,9%) als auch eine hohe Leistungsmotivation (67,1%) werden von zwei Drittel der Befragten angegeben. Dieses Ergebnis wird auch durch die JungunternehmerInneninterviews bestätigt, wo immer wieder angegeben wurde, daß man mit hoher Motivation sehr konsequent und diszipliniert arbeiten muß. So ist etwa die Bereitschaft notwendig, jahrelang mit wenig bis keiner Freizeit auszukommen und zumindest befristet auf "normale" Annehmlichkeiten zu verzichten. Dies über längere Zeit durchzuhalten erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Verantwortungsbewußtsein. Auch diese beiden Eigenschaften werden von den Befragten DiplomandInnen und AbsolventInnen sehr hoch eingeschätzt (55,6% bzw. 50,4%). Die erforderliche Disziplin betrifft nach Angaben der JungunternehmerInnen nicht nur die Arbeitseinstellung, sondern auch einen disziplinierten Umgang mit Geld. Vor allem die Privatentnahmen dürfen in den ersten Jahren nicht zu hoch sein.

    Ein wesentlicher Aspekt der Unternehmensgründung ist die Beschaffung relevanter Informationen. Dies wird von 57,7% der DiplomandInnen und AbsolventInnen als sehr wichtig erachtet. Aufgrund der Analyse der Interviews mit den JungunternehmerInnen zeigte sich, daß gerade Informationen über das legistische Umfeld (z.B.: Gewerbeordnung) von außerordentlicher Bedeutung sind. So ergaben mangelnde Informationen in diesem Bereich oft zeitliche Verzögerungen der Unternehmensgründung, die in einigen Fällen bereits an dieser Stelle beinahe zu einem Scheitern der GründerInnen geführt hätte.

    Ebenfalls sehr hoch bewertet werden die Variablen Kreativität (55,8%) und selbstsicheres Auftreten (58,1%). So ist eine wesentliche Komponente der Gründung die Unternehmensidee, die sich entsprechend von den vorhandenen Angeboten abgrenzen muß. Es ist allerdings nicht nur erforderlich, mit viel Kreativität diese Idee zu konkretisieren, sondern sie muß auch mit dem entsprechenden Auftreten nach außen transportiert werden. Alle der im Rahmen der Untersuchung befragten JungunternehmerInnen sind von ihrer Idee bzw. ihrem Produkt und ihrer Dienstleistung überzeugt. Ergänzend wird von ihnen noch angeführt, daß das Unternehmen mit Freude betrieben werden muß, um glaubwürdig und identisch nach außen hin auftreten zu können.

    Ebenfalls im Komplex der wichtigsten Merkmale findet sich die Eigenschaft "Flexibilität und Anpassungsfähigkeit" (50,1%). Der Prozeß der Unternehmensgründung ist nicht linear und über einen längeren Zeitraum exakt vorherbestimmbar. Immer wieder treten Rückschläge und Probleme auf, die es gilt rasch zu lösen. Hierzu ist ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich (vgl. das Konzept der Handlungsorientierung im Kapitel zu den Gründungstheorien).

    Tabelle 3b: Merkmale von UnternehmensgründerInnen

    Variable

    %-sehr wichtig

    finanzielle Ressourcen

    44,3%

    Information über Fördermöglichkeiten

    44,3%

    Unterstützungsstrukturen

    41,2%

    Zukunftsorientierung

    39,2%

    individuelle Beratung

    38,6%

    Teamarbeit

    36,9%

    Branchenerfahrung

    35,5%

    Teamfähigkeit

    34,3%

    Einbindung in soziale Netze

    34,3%

    Mobilität

    33,7%

    selbständiges Arbeiten

    33,2%

    Belastbarkeit

    30,3%

    Erfolgsstreben

    29,6%

    Risikobewußtsein

    28,5%

    Quelle: L&R Datafile

    Die nächsten drei Variablen betreffen vor allem den finanziellen Bereich der Unternehmensgründung. Erstaunlich ist, daß nur 44,3% der Befragten finanzielle Ressourcen als besonders wichtig erachten, werden doch finanzielle Probleme als eine der Hauptschwierigkeiten in den meisten Arbeiten zur Unternehmensgründung angeführt. Andererseits muß festgehalten werden, daß 39% der Neugründungen nur ein Startkapital von bis zu 100.000.- Schilling und 75% ein Startkapital bis zu 500.000.- erforderten (Wanzenböck, 1998). Angesichts dieser Befunde wird deutlich, daß finanzielle Aspekte wahrscheinlich weniger ein Problem der Gründung, sondern viel eher der Nachgründungsphase sind, wo bestimmte Umsätze erwirtschaftet werden müssen, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.

    Information über Fördermöglichkeiten (44,3%) und Unterstützungsstrukturen (41,2%) werden ebenfalls als relativ wichtig eingestuft. Daß diese Aspekte bei der Gründung oft in den Hintergrund treten, zeigt allein der Umstand, daß von den elf befragten JungunternehmerInnen keineR eine Förderung in Anspruch genommen hat bzw. wegen der hierfür erforderlichen Auflagen in Anspruch nehmen konnte. Neben dem grundsätzlichen Aufbau von Unterstützungsstrukturen wird auch individuelle Beratung von den AbsolventInnen und DiplomandInnen als wichtig erachtet (38,6%). Daß die existierenden Beratungsstrukturen diesen Bedarf derzeit nicht decken können, zeigen die Analysen der Interviews mit den JungunternehmerInnen, die großteils mit den bestehenden Angeboten unzufrieden waren.

    Wird seitens der ExpertInnen und von StudienautorInnen die Branchenerfahrung als eine wesentliche Voraussetzung für eine Unternehmensgründung gesehen, kommt diesem Aspekt bei der DiplomandInnen- und AbsolventInnenbefragung eine vergleichsweise geringe Bedeutung zu. Nur 35,5% erachten Branchenerfahrung als sehr wichtig für die Gründung. Ähnlich hoch wird die Teamfähigkeit (34,3%) und die Teamarbeit (36,9%) eingestuft, die vor allem bei Gründungen durch mehrere Personen eine Rolle spielt.

    34,3% der Befragten meinen, daß die Einbindung der GründerInnen in soziale Netze ein wesentlicher Aspekt für erfolgreiche Gründungen ist. Dies ist angesichts der Problemlagen, die sich für GründerInnen in den ersten Jahren ergeben, auch nicht verwunderlich. Viele JungunternehmerInnen betonen, wie wichtig es für sie war, daß sie im Falle von Problemen von anderen aufgefangen wurden. Es ist dabei nicht notwendig, daß das soziale Netz auch wirklich in Anspruch genommen wird, sondern lediglich der Umstand, daß überhaupt eines vorhanden ist.

    Mobilität wird von 33,7% der DiplomandInnen und AbsolventInnen als wichtig erachtet, was für die meisten Unternehmen, die doch eher regional ausgerichtet sind, auch stimmig ist.

    Die nächsten vier Variablen beschreiben Eingenschaften, die in der Literatur zum Gründungsgeschehen eigentlich als essentiell für einen erfolgreichen Start in die Selbständigkeit gesehen werden. Umso erstaunlicher ist es, daß DiplomandInnen und AbsolventInnen diese Faktoren nicht sehr hoch einstufen. Eine mögliche Ursache könnte hier in dem Bedeutungswandel des Begriffes Selbständigkeit liegen, der, ausgehend von einer Unternehmersicht, durch die Änderungen am Arbeitsmarkt (z.B.: neue Selbständige, unfreiwillige Selbständige) eine Neudefinition bzw. Diversifizierung erfährt. 33,2% der befragten DiplomandInnen und AbsolventInnen sehen selbständiges Arbeiten als besonders wichtig an. Ebenfalls ein gutes Drittel (30,3%) meinen, daß GründerInnen außerordentlich belastbar sein müssen. Und auch die "klassischen" UnternehmerInneneigenschaften Erfolgsstreben und Risikobewußtsein werden nur von 29,6% bzw. 28,5% der RespondentInnen genannt.

    Noch geringere Bedeutung haben nach Ansicht der Befragten die Variablen Selbstbestimmung (27,3%), soziale Absicherung (24,3%), Interdisziplinarität (22,6%), Unabhängigkeitsstreben (2,6%), GründungspartnerInnen (13,4%, Impulsivität (9,3%), Erziehung (7,6%) und Vorbilder (5,7%).

    Zwischen den Geschlechtern traten in einigen Variablen deutliche Unterschiede in der Antworthäufigkeit auf. Im wesentlichen betreffen diese Merkmale die Finanzierung und den sozial-kommunikativen Bereich. Bei allen diesen Faktoren weisen Frauen eine weit größere Zustimmung aus als Männer. Dies kann hier insbesondere in Richtung eines erhöhten Bedarfs interpretiert werden.

    Frauen sehen mit 51,1% finanzielle Ressourcen deutlich wichtiger an als Männer, die lediglich auf einen Wert von 37,8% kommen. Angesichts der geringeren Verfügbarkeit über finanzielle Mittel von Frauen erscheint dieser Befund sehr plausibel (vgl. nächstes Kapitel). Weiters äußern Frauen einen deutlich höheren Informationsbedarf als Männer. Dies betrifft insbesondere die Information über Fördermöglichkeiten (52,7% gegenüber 35,9%). Der dritte Aspekt beinhaltet die Unterstützung und die soziale Absicherung, die bei Frauen weit weniger oft gegeben ist als bei Männern. So verwundert es auch nicht, daß diesem von Frauen ein größeres Gewicht beigemessen wird. Unterstützungseinrichtungen erachten 51,7% der Frauen als besonders wichtig, während nur 31,0% der Männer die entsprechende Kategorie ankreuzten. Bei der Variable Einbindung in soziale Netze beträgt das Verhältnis 42,6% zu 26,1%, und auch bei der sozialen Absicherung ist die Zustimmung bei Frauen um 10,9% höher.

    Die Ergebnisse der AbsolventInnen- und DiplomandInnenbefragung korrespondieren über weite Strecken mit den Angaben, die die ExpertInnen zu diesem Thema machen, wobei sich vor allem in der Gewichtung und Strukturierung der Faktoren Unterschiede ergeben. Von den ExperInnen mit langjähriger Erfahrung werden folgende Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensgründung genannt:

    Darüber hinaus werden zwei Faktoren genannt, die jedoch nicht für alle Unternehmen von essentieller Wichtigkeit sind:

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  • 7. Hinderungsgründe, Probleme und Risiken


  • 7.1 Hinderungsgründe für Selbständigkeit
  • In einem ersten Themenkomplex der Fragebogenuntersuchung wurden die DiplomandInnen und AbsolventInnen, die kein Unternehmen gründen wollen, nach den hierfür maßgeblichen Gründen gefragt. Die RespondentInnen sollten ihre Urteile zu bestimmten Hinderungsgründen auf einer vierstufigen Ratingsskala abgeben. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, weitere Gründe anzugeben. Von insgesamt 265 Personen (69,4%) wurde mindestens eine Variable dieses Fragenkomplexes angekreuzt. Dies zeigt, daß auch einige GründerInnen, für die diese Fragen eigentlich nicht gedacht waren, Antworten abgaben. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Gründe kein Unternehmen zu gründen:

    Tabelle 4: Gründe kein Unternehmen zu gründen

    Hinderungsgrund

    Nennungen

    Mittelwert

    kein Kapital

    79,1%

    1,74

    zu großes Risiko

    73,2%

    1,99

    geringe Ressourcen

    72,9%

    2,01

    keine soziale Absicherung

    67,1%

    2,16

    zu wenig Stützmechanismen

    56,2%

    2,39

    keine Motivation

    42,1%

    2,67

    keine Idee

    39,0%

    2,79

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Vier Fünftel (79,1%) der DiplomandInnen und AbsolventInnen, die kein Unternehmen gründen wollen, geben an, daß fehlendes Kapital ein wichtiger Hinderungsgrund sei. Drei Viertel (73,2%) empfinden eine Unternehmensgründung als zu großes Risiko, das sie nicht eingehen wollen. Zu geringe Ressourcen sind für 72,9% der Befragten mit ausschlaggebend, kein Unternehmen zu gründen. Rund zwei Drittel (67,1%) mangelt es an der notwendigen sozialen Absicherung. In eine ähnliche Richtung weisen die 56,2% der Befragten, die mangelnde Stützmechanismen als wichtigen Grund, kein Unternehmen zu gründen, angeben. 42,1% der hier antwortenden DiplomandInnen und AbsolventInnen geben an, für eine Unternehmensgründung nicht motiviert zu sein. 39% der Befragten haben darüber hinaus keine geeignete Unternehmensidee.

    Bei der offenen Frage nach sonstigen Hinderungsgründen wurden von 29 Personen (11%) Nennungen abgegeben. Diese beziehen sich auf die umständliche Bürokratie, das Fehlen eines geeigneten Marktes, den Umstand, daß eine Unternehmensgründung zu viel Streß bedeutet, Zeitmangel und Unvereinbarkeit mit der derzeitigen Lebenssituation, sowie dem Fehlen sozialer Netze.

    Bei dem Fragenkomplex nach den Hinderungsgründen treten Unterschiede zwischen verschiedenen Teilgruppen der Befragten auf. So geben Frauen mit 76,3% deutlich öfter als Männer (57,6%) fehlende soziale Absicherung als Hinderungsgrund an. Diese Antworthäufigkeiten spiegeln sehr deutlich die real existierende Ungleichverteilung sozialer Unterstützung wider. Ebenso geben Frauen mit 80% geringe Ressourcen häufiger an als Männer (65,5%). Folgt man diesen Befunden, ist festzuhalten, daß Frauen offensichtlich bei der Unternehmensgründung deutlich stärker behindert werden als Männer, vor allem, wenn diese unabhängig und jung sind und eine Ehefrau haben, die ihnen die familiären Verpflichtungen abnehmen. Eine derartige soziale Stütze können Frauen nur selten vorweisen. So verwundert es auch nicht, daß Unternehmerinnen signifikant weniger oft verheiratet sind als männliche Gründer. Dies wird von ExpertInnen auf die außergewöhnliche Belastung der Partnerschaft durch die Gründung zurückgeführt, die Männer selten bereit sind zu tragen (vgl. Allen und Truman, 1993). Dieses Phänomen ist jedoch nicht auf den Gründungsbereich beschränkt. So ist die Hälfte der weiblichen Führungskräfte Österreichs unverheiratet, während dies nur bei 4% der männlichen Chefs der Fall ist (vgl. Dyk, 1996).

    Auch zwischen AbsolventInnen und DiplomandInnen treten bei zwei Fragen signifikante Unterschiede auf. Für AbsolventInnen sind fehlende soziale Absicherung (77,7%) und geringe Ressourcen (66,2%) öfter genannte Hinderungsgründe als für DiplomandInnen. Bei Ihnen liegen die entsprechenden Werte bei 62,5% und 52%.

    Zusammenfassend läßt sich sagen, daß fehlendes Kapital und die mangelnde Bereitschaft, das mit einer Unternehmensgründung verbundene Risiko einzugehen, überragende Bedeutung haben. Diese Faktoren werden auch in den Untersuchungen von Kailer (1990,S.87), Tesch und Luger (1996) an oberster Stelle angeführt. Weiters wird die fehlende soziale Absicherung als Hinderungsgrund genannt. Dieser Aspekt war sogar bei den interviewten AbsolventInnen der ausschlaggebende Grund, kein Unternehmen zu gründen. Vor allem die momentane familiäre Situation läßt derzeit den Schritt in die Selbständigkeit nicht zu. InterviewpartnerInnen mit Kindern erschien eine Unternehmensgründung in der derzeitigen Lage als zu riskant. An fehlenden Ideen und mangelnder Motivation scheitern Unternehmensgründungen selten. Auch andere Hinderungsgründe wie "keine geregelte Arbeitszeit" und "unsichere politische Entwicklung", "Karrieremöglichkeiten und guter Verdienst in der bisherigen Anstellung" (vgl. Schiebel & Chuplek, 1984) wurden von den DiplomandInnen und AbsolventInnen kaum erwähnt.

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  • 7.2 Probleme bei der Unternehmensgründung
  • In der Literatur werden vornehmlich zwei Problembereiche diskutiert: In nahezu allen Arbeiten wird auf die hemmende Wirkung von legistischen Voraussetzungen verwiesen, die sich in Form von strengen Befähigungsnachweisen, unzähligen Genehmigungen und einer Fülle von administrativen Arbeiten und Behördenwegen manifestieren (vgl.: Kailer, 1990, Hierzer, 1997).

    Der zweite Problembereich betrifft die finanzielle Situation des Unternehmens. So führt Kailer (1990, S.87) in einer Studie Kapitalmangel, monetäre Probleme und Defizite im betriebswirtschaftlichen Wissen als die größten Schwieregkeiten beim Start eines Unternehmens an. Finanzierungsmängel werden auch von Tesch und Luger (1996) als Hauptursache für das Scheitern eines Unternehmens angegeben. 70% der erfolglosen Unternehmungen können auf diesen Umstand zurückgeführt werden. Ähnlich argumentieren auch Kück (1990), Zumtobel (1982) und Mugler (1993). "Fehlende finanzielle Eigenmittel zu Beginn erschweren die Unternehmensgründung und erhöhen das Risiko eines Mißerfolges" (Mumelter & Spitzenberger, 1997 S.39).

    Neben den vordergründigen Finanzierungsformen über Förderungen, Eigen- und Fremdmittel gibt es vor allem einen großen Bereich der informellen Finanzierungen (vgl. Mugler, 1993 S.365). Hier werden Geldsummen durch die Unterstützung von Personen abseits organisierter Kapitalmärkte und professioneller InvestorInnen lukriert. Insbesondere Familienmitglieder, Verwandte, FreundInnen und GeschäftspartnerInnen gelten als solche Finanzquellen. Auch hier finden sich geschlechtsspezifische Unterschiede, die sehr traditionell über Rollenzuschreibungen und -klischees Frauen und Töchter benachteiligen. Frauen verfügen zumeist über weniger Eigenkapital und der Zugang zu finanziellen Ressourcen scheint für sie auch innerhalb der Familie schwieriger zu sein.

    In einer Studie über die Einkommenssituation von Frauen in Deutschland stellt Voigt (1994) fest, daß Frauen etwa 2/3 des durchschnittlichen Einkommens von Männern verdienen. So verwundert es nicht, daß Frauen ihr Unternehmen mit weniger Startkapital als Männer beginnen (müssen) (vgl. Steiner, 1996 S.83). Dabei wird folgende Kausalkette durchlaufen:

    Neben der Finanzierung und dem bürokratisch-legistischen Problembereich treten auch andere Felder auf, die eine Unternehmensgründung behindern. Bei der schriftlichen Befragung sollten die DiplomandInnen und AbsolventInnen diese potentiellen Problemfelder beurteilen.

    Tabelle 5: Probleme bei der Unternehmensgründung

    Probleme

    Nennungen

    Mittelwert

    zu wenig Geld

    90,8%

    1,51

    Gewerbebehörde

    78,8%

    1,92

    Gewerbeordnung

    76,7%

    1,98

    geringes wirtschaftliches Wissen

    76,6%

    1,90

    wenig Information über Unterstützungsstr.

    76,0%

    2,02

    wenig Information über Förderungen

    72,8%

    2,05

    Ausbildungsmängel

    65,3%

    2,13

    Finanzamt

    60,7%

    2,18

    Banken

    50,7%

    2,39

    keine Motivation

    44,8%

    2,53

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Wurde im Abschnitt "Hinderungsgründe für Selbständigkeit" das fehlende Kapital als bedeutendster Faktor von einer Unternehmensgründung abzusehen angesprochen, so gilt dies auch für die Gründungsphase. 337 Personen (90,8%) beurteilen den Geldmangel als besonders problematisch. An zweiter und dritter Stelle folgen zwei Problembereiche, die im institutionellen Umfeld anzusiedeln sind. 78,8% der DiplomandInnen und AbsolventInnen sehen in der Gewerbebehörde und 76,7% in der Gewerbeordnung einen wesentlichen Problembereich bei der Unternehmensgründung.

    Die Fragen, die sich vornehmlich auf individuelle Wissensdefizite beziehen, werden von rund zwei Drittel der Befragten als Problembereich identifiziert. 76,6% der DiplomandInnen und AbsolventInnen führen zu geringes wirtschaftliches Wissen an. Zu wenig Informationen über Unterstützungsstrukturen mit 76% und zu wenig Informationen über Förderungen (72,8%) werden von vielen Befragten als Probleme ins Treffen geführt. Ausbildungsmängel finden 65,3% der DiplomandInnen und AbsolventInnen als kritischen Problembereich bei der Unternehmensgründung.

    Der vierte Fragencluster bezieht sich wiederum auf institutionelle Rahmenbedingungen im Finanzierungsbereich. 60,7% der Befragten sind der Ansicht, daß das Finanzamt wesentliche Probleme bei der Unternehmensgründung verursachen kann und jedeR Zweite (50,7%) nennt im Zusammenhang mit Schwierigkeiten und Problemen die Banken.

    Fehlende Motivation wird von 44,8% der Befragten problematisiert.

    Neben den vorgegebenen Fragen konnten die DiplomandInnen und AbsolventInnen auch zusätzliche Problembereiche ansprechen. 8,8% oder 33 Personen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Hindernisse und Probleme werden von ihnen vor allem in psychischen Variablen wie Angst oder Überforderung und Institutionen wie Kammern, Sozialversicherung und Bürokratie gesehen.

    Auch bei diesem Fragenkomplex treten Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf. Wieder bestätigt sich, daß Frauen (94,6%) eher den Mangel an Geld befürchten als Männer (87,1%). Weiters sehen Frauen in Wissens- und Informationsdefiziten deutlich öfter als Männer Problembereiche der Unternehmensgründung. Dies mag daran liegen, daß Frauen sozialisationsbedingt Mißerfolg stärker intern attribuieren als Männer. Zu geringes wirtschaftliches Wissen beurteilen sie zu 82,8% als potentielles Problemfeld. Bei den Männern sind es nur 70,3%.

    Bei der Frage nach fehlenden Informationen über Unterstützungsstrukturen beträgt die Zustimmung der Frauen 82,4%, die der Männer jedoch nur 69,6%. Und auch fehlende Informationen über Fördermöglichkeiten sehen Frauen mit 79,6% öfter als Auslöser von Schwierigkeiten an als Männer (66%).

    Die Unterschiede im Antwortverhalten zwischen GründerInnen und NichtgründerInnen beziehen sich vornehmlich auf den institutionellen Bereich. Bei allen Items identifizieren GründerInnen ein höheres Potential für Schwierigkeiten. 80% der GründerInnen geben an, daß die Gewerbeordnung oft Auslöser von Problemen ist. Bei den NichtgründerInnen findet dieses Item nur 74,5% Zustimmung. Aber auch die Gewerbebehörde (83,5%) und das Finanzamt (67,6%) werden von den GründerInnen kritischer gesehen als von den NichtgründerInnen, deren Werte bei diesen Fragen 75,7% und 56,3% betragen. Keine Motivation identifizieren nur 38% der GründerInnen als Schwierigkeit, hingegen 49,1% der NichtgründerInnen.

    Anders verhält es sich bei den Informationen über Förderungen. Während 77,3% der NichtgründerInnen glauben, daß fehlende Informationen über Förderungen sehr oft bis oft Hindernisse und Schwierigkeiten bei einer Unternehmensgründung bedingen, sind es bei den GründerInnen nur 65,7%.

    Ein Problembereich, der in der Befragung von DiplomandInnen und AbsolventInnen nicht genannt wurde, der aber im Rahmen der Telefoninterviews immer wieder angesprochen wurde, war die Marktfähigkeit des Produktes bzw. der Dienstleistung. So wurde immer wieder die Befürchtung geäußert, nicht den notwendigen Kundenstock aufbauen zu können, um den Fortbestand des Unternehmens langfristig zu sichern.

    Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das fehlende Geld als die größte Schwierigkeit bei der Unternehmensgründung gesehen wird. Es folgen vor allem bürokratische Hindernisse, die mit der Gewerbebehörde und der Gewerbeordnung zu tun haben. Als weiterer wichtiger Problembereich werden individuelle Informations- und Wissensdefizite identifiziert.

    Die Vielzahl möglicher Problembereiche und das Ausmaß der Zustimmung, daß mit solchen Problemen gerechnet werden muß, läßt bereits vermuten, daß es kaum reibungslose Unternehmensgründungen gibt. Dies wird auch durch die JungunternehmerInnenbefragung bestätigt, wo nur ein einziger Unternehmer angab, daß die Unternehmensgründung mit keinerlei Problemen verbunden war. Er begründet dies damit, daß er schon längere Zeit Kammermitglied war und bereits lange einen Gewerbeschein besaß. Er hatte dadurch Zugang zu Informationen und Hilfestellungen und kannte die relevanten Referenten für seine Branche. Für alle anderen befragten JungunternehmerInnen war der Gründungsprozeß belastend und sehr zeitraubend.

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  • 7.3 Risiken bei der Unternehmensgründung
  • Die im vorigen Abschnitt skizzierten Schwierigkeiten und Probleme bei der Unternehmensgründung können mannigfaltige Folgen nach sich ziehen. So lag es nahe, die DiplomandInnen und AbsolventInnen nach den häufig auftretenden Risiken und negativen Folgen der Unternehmensgründung zu befragen.

    Tabelle 6: Risiken bei der Unternehmensgründung

    Nennungen

    Mittelwert

    Konkurs, Ausgleich

    94,1%

    1,66

    Überlastung

    87,0%

    1,76

    Vernachlässigung der Familie

    82,3%

    1,82

    Vernachlässigung sozialer Kontakte

    69,6%

    2,11

    Gefährdung der Gesundheit

    49,9%

    2,39

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Als größtes Risiko bei einer Unternehmensgründung wird von 349 Personen (94,1%) das des Konkurses oder Ausgleiches genannt. Hierbei schätzen die GründerInnen mit 89,9% das Risiko von Konkurs oder Ausgleich etwas geringer ein als die NichtgründerInnen (96,9%). Bei allen anderen Risiken urteilen die einzelnen Subgruppen sehr homogen. Es treten nahezu keine Unterschiede in den Befragungsergebnissen auf.

    Als zweitgrößtes Risiko wird das der Überlastung genannt. 87% stimmen dieser Frage zu. Dieses Risiko ist angesichts der UnternehmerInnenbiographien durchaus real. Damit eng verbunden sind die Folgen auf das Sozialleben. 82,3% der Befragten befürchten bei einer Unternehmensgründung die Vernachlässigung der Familie. Diese wird von 85,7% Männern stärker befürchtet als von Frauen (78,9%).

    Einschränkungen im sozialen Kontakt mit anderen wird, wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß, von rund zwei Drittel der Befragten angegeben. 69,6% der DiplomandInnen und AbsolventInnen sehen in der Vernachlässigung sozialer Kontakte ein großes Risiko.

    Demgegenüber werden die Gefahren gesundheitlicher Folgen weit seltener genannt. Eine Gefährdung der Gesundheit geben nur 49,9% der Befragten als Risiko an.

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  • 8. Rahmenbedingung der Unternehmensgründung
  • Wie bereits im Kapitel "Theorien zur Unternehmensgründung" dargelegt wurde, können Personenmerkmale nur bedingt herangezogen werden, um UnternehmensgründerInnen hinreichend zu beschreiben. Mindestens ebenso wichtig sind die Rahmenbedingungen, in denen die potentiellen GründerInnen eingebettet sind. Diese beziehen sich sowohl auf das Mikroumfeld der JungunternehmerInnen als auch auf institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Als relevante Faktoren im Mikroumfeld könnten etwa die Phase im Familienzyklus, die Erziehung, die berufliche Ausbildung, die Erfahrung in der Branche, die Ausstattung mit Ressourcen oder die Herkunftsfamilie angeführt werden (vgl. Plaschka, 1986; Mugler, 1996). Institutionelle Rahmenbedingungen sind unter anderem das Beratungs- und Förderungswesen, Behörden und Banken.

    Im Rahmen der Fragebogenuntersuchung bei DiplomandInnen und AnsolventInnen sollten diese angeben, welche Rahmenbedingungen ihrer Ansicht nach besonders wichtig sind.

    Tabelle 7: Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen

    Nennungen

    Mittelwert

    Informationen

    95,2%

    1,45

    Finanzen, Geld

    92,3%

    1,55

    Beratung

    90,0%

    1,67

    Förderungen

    86,0%

    1,73

    Unterstützung durch LebensgefährtIn

    68,3%

    2,00

    Interdisziplinarität

    67,9%

    2,13

    Unterstützung durch Familie

    66,0%

    2,13

    Gründung mit mehreren Personen

    63,9%

    2,22

    Unterstützung durch Freunde

    56,1%

    2,39

    Unterstützung durch Bekannte

    35,7%

    2,79

    Unterstützung durch Verwandte

    26,9%

    2,97

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Analysiert man die Angaben zu den einzelnen Fragen fällt auf, daß Rahmenbedingungen im sozialen und familiären Umfeld gegenüber den institutionellen Rahmenbedingungen bei den Befragten weit weniger Bedeutung haben.

    Am wichtigsten für eine Unternehmensgründung erachten die Befragten, relevante Informationen zu bekommen. 95,2% gaben hier ihre Zustimmung. Dieser Befund wird auch durch die Ergebnisse der telefonischen Befragung bestätigt. Aus diesem Ergebnis läßt sich ableiten, daß bei potentiellen JungunternehmerInnen ein hohes Interesse an Strukturen besteht, die Ihnen beim Auffinden relevanter Informationen behilflich sind. 90,0% der DiplomandInnen und AbsolventInnen legen daher Wert auf Beratung zur Unternehmensgründung.

     

    An zweiter Stelle relevanter Rahmenbedingungen folgen die Aspekte "Finanzen und Geld" (92,3%). Für eine Unternehmensgründung sind ausreichende finanzielle Ressourcen unabdingbar. Hierbei zeigt jedoch die Befragung der JungunternehmerInnen ein erstaunliches Bild. Lediglich drei JungunternehmerInnen haben Fremdkapital über Banken aufgenommen. Die acht anderen JungunternehmerInnen finanzierten die gesamte Unternehmensgründung über Eigenkapital und Geld, das hauptsächlich von Eltern und LebensgefährtInnen geborgt wurde. Zum Teil mag das an dem schlechten Image der Banken liegen. Vor allem Großbanken werden von den JungunternehmerInnen als desinteressiert erlebt. So wird etwa das mangelhafte Service kritisiert. Kleinbanken hingegen werden als entscheidungsfreudiger empfunden und der persönliche Kontakt mit diesen Institutionen ermöglicht, daß Vertrauen entstehen kann. Bei ihnen zählen nicht nur Haftungen, Bürgschaften und Besicherungen, sondern auch die unternehmerische Persönlichkeit.

    An der nächsten Stelle relevanter Rahmenbedingungen, die eng mit der Finanzierung verknüpft sind, folgen die Förderungen und damit verbunden auch die Information über Fördermöglichkeiten. Rund fünf Sechstel der Befragten (86%) betonten dieses Item. Dies verwundert auch nicht, da es in Österreich allein rund 300 Fördermöglichkeiten gibt. Sowohl von den ExpertInnen wie auch den JungunternehmerInnen wird das österreichische Fördersystem heftig kritisiert. Nicht nur, daß die Zahl unterschiedlicher Förderungen viel zu groß ist, entsprechen die Richtlinien oft nicht der Lebensrealität potentieller GründerInnen. So wird etwa kaum den aktuellen wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Veränderungen Rechnung getragen. Die Voraussetzung maximal zwei Jahre vor der Gründung "selbständig" erwerbstätig gewesen zu sein, ist gerade angesichts des hohen Anteils an projektbezogenen Arbeitsverhältnissen bei AkademikerInnen nicht zielgruppenkonform. Aber auch die Voraussetzung, mit der Gründung eine allfällige unselbständige Erwerbstätigkeit zu beenden, erscheint wenig sinnvoll. Viele Unternehmen haben gerade in der Anlaufphase das Problem, daß die Einkünfte nicht ausreichen, die GründerInnen existentiell zu versorgen. Hier müßten jedenfalls entsprechende Adaptierungen im Förderwesen erfolgen.

    Verglichen mit den vorhin diskutierten Rahmenbedingungen wird die Unterstützung durch das soziale Umfeld seltener von den Befragten genannt. Am bedeutendsten ist die Unterstützung der/des Lebensgefährtin/e (68,3%) und der Familie (66%). Freunde (56,1%), Bekannte (35,7%) und Verwandte (26,9%) haben demgegenüber eher untergeordnete Bedeutung.

    Die Möglichkeiten, die sich durch den Zusammenschluß mehrerer gründungswilliger Personen ergeben, werden von zwei Drittel der Befragten gesehen. 67,9% sehen Interdisziplinarität bei der Gründung als förderliche Rahmenbedingung und 63,9% betonen die Vorteile von Teamgründungen.

    Auch bei den Rahmenbedingungen sind deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede im Antwortverhalten auszumachen. Frauen sind entsprechende Rahmenbedingungen viel wichtiger als Männern, was sich in höheren Zustimmungsraten bei einigen Items bemerkbar macht. Sie sprechen die finanzielle Seite öfter an (97,4% gegenüber 87,2%) und sehen eine größere Bedeutung in gründungsrelevanter Beratung (94,2% gegenüber 84,7%). Auch werden Förderungen von Frauen öfter angeführt (91,9% gegenüber 79,9%). Weiters ist ihnen die Unterstützung durch das soziale Umfeld wichtiger als den Männern. Die entsprechenden Zustimmungsraten betragen bei der Familie 72,8% gegenüber 59,6%, bei der/m Lebensgefährtin/en 75,2% gegenüber 61,2% und bei FreundInnen 61,4% gegenüber 50,8%.

    Zwischen GründerInnen und NichtgründerInnen treten ebenfalls Unterschiede im Antwortverhalten zu den Rahmenbedingungen auf, sie sind aber weniger stark ausgeprägt als zwischen den Geschlechtern. GründerInnen betonen stärker als NichtgründerInnen die Unterstützung durch die/den PartnerIn (71,9% gegenüber 65,9%), während ihnen Finanzen mit 47,3%, Beratung mit 36,7% und Förderungen mit 33,3% seltener sehr wichtig sind. Die Zustimmungsraten der NichtgründerInnen zu diesen Fragen belaufen sich auf 57,1%, 51,8% und 48,1%.

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  • 8.1 Unterstützungsstrukturen zur Unternehmensgründung
  • Seitens der potentiellen GründerInnen wurden Informationen, Beratung und Hilfestellungen in gründungsrelevanten Fragen als wichtigste Rahmenbedingungen zur Unternehmensgründung genannt. Um diesem Bedarf zu begegnen, gibt es im wesentlichen zwei Formen von Unterstützungseinrichtungen. Die erste Gruppe hat ein monetäres Interesse an der Zielgruppe JungunternehmerInnen. Hierunter fallen vor allem die Banken, die sich erwarten, neue KundInnen zu gewinnen. Die zweite Gruppe ist zumeist öffentlich finanziert und nicht gewinnorientiert ausgerichtet. Exemplarisch werden nun zwei Unterstützungseinrichtungen beschrieben.

    In den meisten Banken erfolgt die Unterstützung je nach Branche und Betriebsgröße durch eigene BetreuerInnen in den Zweigstellen und Filialen. Als UnternehmerInnen gelten hier alle Personen, die Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit haben. Den Großteil der Kundschaft stellen Freiberufliche, sogenannte Gewerbekunden für Klein- und Mittelbetriebe und JungunternehmerInnen, die ab einer bestimmten MitarbeiterInnenanzahl wieder speziellen BetreuerInnen zugeordnet werden. Für den Produktionssektor und die Dienstleistungssektoren wurden keine speziellen Beratungsstrukturen aufgebaut.

    Entgegen dieser traditionellen Form der Unterstützung von JungunternehmerInnen hat die Bank Austria ein Jungunternehmercenter eingerichtet, das speziell für die Gründungsphase relevante Informationen liefert. Als JungunternehmerInnen gelten für das Jungunternehmercenter Personen, die eine unselbständige Tätigkeit aufgeben und zum ersten Mal ein Unternehmen gründen oder eines übernehmen. Bei Kapitalgesellschaften muß der/die JungunternehmerIn zu mehr als 25% GesellschafterIn sein. Das Alter spielt keine Rolle. Diese Definition entspricht im wesentlichen der Voraussetzung für die meisten Förderungsaktionen. Die meisten Unternehmensinhalte der betreuten KundInnen fallen in die Kategorien Dienstleistung, Handel und Gastronomie.

    Der Beratungsbedarf ist je nach Zielgruppe sehr unterschiedlich. AkademikerInnen, die das Jungunternehmercenter aufsuchen, haben meist schon ein Unternehmenskonzept und klar formulierte Ideen. Generell wird diese Institution allerdings selten von AkademikerInnen aufgesucht, obwohl es dieser Zielgruppe genauso an entsprechenden Informationen mangelt wie anderen. Rund 40% der Klientel sind Frauen und 60% Männer, wobei der Frauenanteil in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Bei Frauen sind deutlich mehr Teamgründungen zu verzeichnen als bei Männern. Die Altersstruktur liegt bei den weiblichen Unternehmensgründerinnen deutlich über dem der Männer. Diese zeitliche Verschiebung ist großteils durch die Kinder- und Familienphase bedingt.

    Im Jungunternehmercenter der Bank Austria werden seit 1996 vor allem die Bereiche Gründungssparen, Beratungstätigkeit mit dem Schwerpunkt Finanzierung abgedeckt. Das Gründungssparen wird hauptsächlich von Personen in Anspruch genommen, die einen Betrieb übernehmen wollen. Bei noch in Ausbildung Stehenden kümmern sich eher die Eltern als die Betroffenen selbst um diese Sparform. Von GründerInnen wird das Gründungssparen eher selten genutzt, da es eine jahrelange Vorbereitungszeit auf die Gründung voraussetzen würde. Demgegenüber streben die meisten GründerInnen auf eine schnelle Realisierung ihrer Unternehmensidee.

    Die Zusammenstellung eines optimalen Finanzierungs- und Förderungs-Mix stellt den Betreuungsschwerpunkt des Jungunternehmercenters dar, aber es werden auch rechtliche Fragen behandelt und weiterführende Beratungsinstitutionen empfohlen. Grundsätzlich wird das Eigeninteresse der Bank, nämlich die/den GründerIn als KundIn zu gewinnen, in die Überlegungen miteinbezogen. In diesem Zusammenhang wird sehr häufig das fehlende Eigenkapital der JungunternehmerInnen angesprochen.

    Beispielhaft für den zweiten Sektor an Unterstützungseinrichtungen wird das Business-Frauen-Center beschrieben, da es einen sehr innovativen Ansatz verfolgt. Servicezentralen und "Informationstankstellen" haben sich im Ausland (EURO DEFI, 1996; BBI Austria, 1997) im Zusammenhang mit Unternehmensgründung am besten bewährt. Die erfolgreichen Teile dieser Einrichtungen werden im Business-Frauen-Center für Österreich umgesetzt. Obwohl diese Einrichtung erst seit kurzem besteht, ist der Andrang von Ratsuchenden außerordentlich hoch und von der jetzigen Infrastruktur kaum zu bewältigen. Das hohe Interesse an dieser Unterstützungseinrichtung deutet auf ein sehr großes Informationsbedürfnis der Jungunternehmerinnen hin, für das die bisherigen Einrichtungen und Informationskanäle zur Existenz- und Unternehmensgründung offenbar nicht ausreichen. Es kommen viele Frauen mit mangelndem Wissen und wenig konkreten Vorstellungen über Unternehmensgründung. Grundlegende Informationsarbeit im Vorfeld würde die Arbeit des Business-Frauen-Centers erleichtern und eine Konzentration auf das Kerngeschäft der Institution, nämlich differenziert auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen, ermöglichen.

    Die BetreuerInnen des Business-Frauen-Centers informieren über Förderungen, Versicherungen und Finanzplanung. Sie geben Auskunft, wie man mit Banken und Behörden kommuniziert und welche Gesellschaftsform für eine Unternehmensidee die beste ist. Sie beraten vor der Gründung und helfen bei der Konzepterstellung, bieten Training, Ausbildungen, Orientierung, Selbstbewußtseinstraining und hilfreiche Techniken zur Kommunikation oder Streßbewältigung an. Weiters begleiten sie einzelne GründerInnen eine bestimmte Zeitspanne vor, während und nach der Gründung (Coaching). Sie bieten sehr breit gefächerte Förder- und Finanzierungsberatung an und haben ein breiteres Publikum als Banken, da sie auch von Personen aufgesucht werden, die in weniger finanzierungsintensiven Bereichen tätig sind. Sie organisieren Veranstaltungen zu einschlägigen Themen und haben ein Netzwerk von GründerInnen und Interessierten aufgebaut. Sie verschicken regelmäßig Newsletters und Einladungen zu den Veranstaltungen.

    Die vom Business-Frauen-Center beratenen Frauenunternehmen sind mehrheitlich im Dienstleistungssektor angesiedelt. Ein Schwerpunkt liegt sicherlich in den Beratungsberufen, wo ungefähr 50% der Frauenunternehmen angesiedelt sind. In diese Kategorie fallen vor allem die Segmente Unternehmensberatung, therapeutische Beratung, alle Formen von Consulting und innovative Mischformen mit anderen Branchen wie etwa eine Kombination von Kleiderdesign, Schönheitspflege und -beratung.

    Ca. 45-50% der Frauen, die das Business-Frauen-Center wegen einer Unternehmensgründung kontaktieren, haben eine akademische Ausbildung. Der Anteil der Akademikerinnen unter den JungunternehmerInnen liegt somit im Business-Frauen-Center weit über dem Durchschnitt.

    Die Mehrheit der Unternehmensgründerinnen, die das Business-Frauen-Center besuchen, ist zwischen 30 und 50 Jahren alt. Rund 30% davon wollen als Team ein Unternehmen gründen. Die Zugänge sind eher interdisziplinär und die Kooperationsformen vielfältig. So arbeiten etwa Akademikerinnen mit Personen, die über eine einschlägige Berufserfahrung verfügen. Zumeist werden organisatorische Fähigkeiten mit handwerklichem Know- how und Finanzerfahrung gepaart.

    Der hohe AkademikerInnenanteil an KlientInnen des Business-Frauen-Centers deutet darauf hin, daß die Konzeption dieser Bildungsschicht besonders entspricht. Vor allem die begleitende Betreuung in der Gründungsphase dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen. Diese Ansicht wird auch von staatlicher Seite vertreten, wobei vor allem die "beistehende Beratung" (Coaching) als wichtig und ausbauwürdig angesehen wird.

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  • 8.2 Kenntnisse über Unterstützungseinrichtungen und Förderungen
  • Ein bei den Rahmenbedingungen häufig genannter und wichtiger Aspekt der Unternehmensgründung sind die Unterstützungseinrichtungen und Förderungen. Bei der Fragebogenerhebung bei DiplomandInnen und AbsolventInnen wurde auch danach gefragt, welche Einrichtungen ihnen bekannt sind. Generell läßt sich sagen, daß der Informationsstand der Befragten äußerst gering ist.

    Insgesamt nannten lediglich 93 Personen eine Unterstützungseinrichtung. Dies sind 24,3% der Befragten. Zieht man die völlig falschen Antworten ab, sinkt der Prozentsatz an Befragten, die zumindest eine Unterstützungseinrichtung kennen, auf 22% (84 Personen). Männer kennen weit öfter Unterstützungseinrichtungen als Frauen (29,8% gegenüber 19,6%).

    Tabelle 8: Unterstützungseinrichtungen

    Nennungen

    in %

    Kammern

    49

    47,1%

    WIFI, AMS

    21

    20,2%

    Jungunternehmerclubs

    10

    9,6%

    Banken

    7

    6,7%

    Förderungsfonds

    5

    4,8%

    Private Einrichtungen

    3

    2,9%

    falsche Antworten

    9

    8,7%

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Mit 47,1% der Antworten wurden die Kammern am häufigsten genannt. Vor allem Wirtschaftskammern und die Handelskammer sind hier bekannt. Aber auch die Arbeiterkammer wurde erwähnt. 20,2% der Nennungen entfielen auf das Wirtschaftsförderungsinstitut und das Arbeitsmarktservice. Die Gruppe der Jungunternehmerclubs beinhaltet die "Junge Wirtschaft", "Jungunternehmerverbände" und die Aktion "Frau als Unternehmerin". 9,6% der Antworten wurden zu dieser Kategorie gezählt. 6,7% Nennungen bezogen sich auf diverse Banken. Zwar sind Förderungsfonds keine Unterstützungseinrichtungen im eigentlichen Sinn, trotzdem wurden sie von 4,8% der bei dieser Frage Antwortenden genannt. "BÜRGES", "ECO-PLUS", "Förderungen des Landes Niederösterreich" und der "Wiener Wirtschaftsförderungsfonds" wurden hier erwähnt. Als private Unterstützungseinrichtungen (2,9%) wurden Veranstaltungen im RIZ-Wiener Neustadt und GTZ-St.Pölten angegeben.

    Grundsätzlich haben die Befragten zu den Unterstützungseinrichtungen eher spärliche Angaben gemacht, was auf einen großen Informationsbedarf schließen läßt. AbsolventInnen, auf die 17,3% der Nennungen entfielen, kennen weniger Unterstützungseinrichtungen als DiplomandInnen (27,2%).

    Bei der Frage nach Förderungen gab es noch weniger Angaben als bei den Unterstützungseinrichtungen. Weiters ist der Anteil völlig falscher Antworten mit 19,7% deutlich höher als bei der zuvor diskutierten Frage. Nur 59 Personen (15,4%) nannten eine Fördermöglichkeit. Um die Falschangaben bereinigt sinkt die Antworthäufigkeit auf 12% (49 Personen). Dies bedeutet, daß nur jedeR achte zumindest eine Förderungsmöglichkeit nennen kann.

    Tabelle 9: Förderungen

    Nennungen

    in %

    Förderungsfonds

    27

    44,3%

    Banken

    11

    18,0%

    Kammern

    5

    8,2%

    WIFI, AMS

    3

    4,9%

    Private Förderungen

    2

    3,3%

    Jungunternehmerclubs

    1

    1,6%

    falsche Antworten

    12

    19,7%

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Zumeist wurden von den Befragten ähnliche Einrichtungen genannt, wie bei den Unterstützungseinrichtungen. Lediglich bei den Fonds kamen noch zusätzliche Nennungen, wie der "ERP-Fonds", "Landesförderungen" oder "EU-Förderungen".

    Am häufigsten wurden mit 44,3% Förderungsfonds genannt. Auf Banken entfielen 18% der Nennungen. Daß Kammern JungunternehmerInnen fördern, gaben 5 Personen an (8,2%). Eher selten schienen das WIFI und das AMS (zusammen 4,9%), private Förderungen (3,3%) und Jungunternehmerclubs (1,6%) als Förderinstitutionen auf.

    Das Wissen über Förderungen ist insgesamt extrem gering, wobei zwischen GründerInnen und NichtgründerInnen Unterschiede feststellbar sind. Während 21% der GründerInnen Förderungen angaben, waren es bei den NichtgründerInnen 12%.

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  • 9. Geschlechtsspezifische Aspekte


  • 9.1 Chancengleichheit und Unternehmensgründung
  • Wie bereits in den vorangehenden Kapiteln dargestellt, verläuft der Gründungsprozeß bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich. Diese betreffen sowohl die Unternehmensstruktur als auch den privaten und Persönlichkeitsbereich:

    Alle diese Unterschiede deuten darauf hin, daß Frauen als Unternehmensgründerinnen als eigene Gruppe mit gesonderten Bedürfnissen gesehen werden müssen. Demgegenüber steht allerdings ein männlich geprägtes Gründerbild (vgl. Assig et al., 1985; Assig, 1992; Goffee & Scase, 1983; Hierzer, 1997), das die spezifische Besonderheiten bei weiblichen GründerInnen nicht als Chance, sondern als Mangel sieht. Die Folge ist eine breite Diskriminierung von Unternehmerinnen auf vielen Ebenen.

    So sind etwa Kreditinstitute, Banken und Kammern oft mißtrauisch gegenüber Frauen, die gründen wollen. Es wird ihnen selten zugetraut, mit Geld umgehen zu können. Unternehmensideen werden kritischer beurteilt als jene von Männern. Weiters schneiden Frauen bei Kreditprüfungen zumeist schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. Die Finanzierung der Unternehmensgründung und Kreditverhandlungen stellen somit für Frauen deutlich größere Hürden dar.

    Eine andere Ebene, wo weibliche Unternehmensgründerinnen deutlich benachteiligt sind, ist die der beruflichen Beziehungen. Kontakte und Verbindungen - sogenannte Netzwerke - können einen wesentlichen Beitrag liefern, die für die Gründung und die erfolgreiche Führung der Unternehmung notwendigen Ressourcen zu erhalten (vgl. Aldrich, 1989). Netzwerke von Frauen sind jedoch deutlich jünger und viel seltener anzutreffen als die über Generationen gewachsenen "old boys networks" (vgl. Segerman-Peck, 1994).

    Diese Ungleichheit ist nicht nur gesellschaftspolitisch zu hinterfragen, sondern hat auch gesamtwirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch betrachtet negative Wirkungen, da weniger Gründungen realisiert werden. Welche positiven Effekte erzielt werden können, zeigt etwa ein Beispiel aus den Niederlanden, wo ein Programm entwickelt wurde, das viele der frauenspezifischen Hindernisse mindern sollte. Ergebnisse und Auswirkungen dieses Programmes waren, daß der weibliche Anteil an Selbständigen von 10% auf 23% anstieg. Trotz der vielen Fortschritte in den Niederlanden wünschen sich Unternehmerinnen dennoch einige weitere Veränderungen, wie den Abbau von Vorurteilen. Sie wollen ernstgenommen werden. Außerdem hätten sie gerne mehr individuelle Beratung und Betreuung bei der Unternehmensgründung, wobei die Frauen hier zwischen regulären Beratungseinrichtungen und frauenspezifischen Stellen wählen können möchten (vgl. Jenny, 1995).

    Im Rahmen der DiplomandInnen- und AbsolventInnenbefragung wurde ebenfalls nach geschlechtsspezifischen Bedingungen der Unternehmensgründung gefragt. Die erste Frage bezog sich auf die Realisierung der Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen. 58,3% der DiplomandInnen und AbsolventInnen meinen, daß diese im Unternehmensgründungsbereich realisiert ist. Betrachtet man die Angaben jedoch getrennt nach Geschlecht, wird deutlich, daß nur 49,5% der Frauen aber 69,1% der Männer diese Meinung vertreten. Die Befragten, die keine Gleichverteilung der Chancen orten, wurden nach Gründen und Ursachen gefragt. 123 Personen gaben insgesamt 199 Nennungen zu diesem Thema ab.

    Tabelle 10: Chancengleichheit bei einer Unternehmensgründung

     

    Nennungen

    in %

    Unvereinbarkeit für Frauen

    79

    39,7 %

    Vorurteile

    55

    27,6 %

    Schlechterer Zugang zu Ressourcen

    24

    12,1 %

    Männerdomäne

    21

    10,6 %

    Frau muß mehr leisten

    9

    4,5 %

    keine soziale Absicherung bei Schwangerschaft

    9

    4,5 %

    Keine Vorbilder

    2

    1,0 %

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    39,7% der Nennungen beziehen sich auf die Unvereinbarkeit von Familie und Unternehmertum für Frauen. Dies wird sowohl auf die Doppelbelastung Arbeit und Hausarbeit als auch auf eine Inkompatibilität von Unternehmertum und Familie für Frauen zurückgeführt.

    Der zweite Block (27,6% der Nennungen) kann unter dem Titel Vorurteile gegenüber Frauen als GründerInnen zusammengefaßt werden. Es wird weniger Vertrauen in Frauen gesetzt, ihnen wird weniger Kompetenz und Durchsetzungsvermögen zugesprochen und sie werden generell weniger als GründerInnen respektiert.

    12,1% der Nennungen thematisieren den erschwerten Ressourcenzugang für Frauen. Von Problemen bei der Kreditvergabe, einer Benachteiligung bei Förderungen bis hin zu mangelnder Unterstützungen im Umfeld reichen die vorgebrachten Argumente.

    Der vierte Bereich, der von 10,6% der Antwortenden angesprochen wird, bezieht sich auf die Schwierigkeit von Frauen, in männerdominierten Bereichen Fuß zu fassen. Grundtenor der Angaben ist, daß Männer lieber unter sich bleiben und deshalb Frauen ausgrenzen.

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  • 9.2 Kinder und Unternehmensgründung
  • Eng verknüpft mit der Chancengleichheit ist die Frage, was Kinder für eine Unternehmensgründung bedeuten, da nach wie vor ein Großteil der Reproduktionsarbeit von Frauen geleistet wird. Insgesamt gaben bei der Befragung von DiplomandInnen und AbsolventInnen 214 Personen (56%) 322 Nennungen zu dieser Frage ab, wobei 85,7% der Antworten negative Auswirkungen und 14,3% neutrale Auswirkungen beschreiben.

    Tabelle 11: Kinder und Unternehmensgründung

     

    Nennungen

    in %

    Behinderung, Nachteil, Risiko

    130

    40,4 %

    Unvereinbarkeit für Frau (Familie/Beruf)

    54

    16,8 %

    nicht ohne Partnerin, neutral

    46

    14,3 %

    Vernachlässigung der Kinder

    35

    10,9 %

    mangelnde Risikobereitschaft wegen der Kinder

    27

    8,4 %

    Ende des Unternehmens

    17

    5,3 %

    keine soziale Absicherung

    13

    4,0 %

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Bei 40,4% der Nennungen werden Kinder als Behinderung, Nachteil und zusätzliches Risiko angesehen. Weiters werden hier der zu hohe Zeitaufwand, noch weniger Urlaub, höhere Belastung, Einschränkungen, Streß und Konkurrenznachteile angeführt.

    Die Unvereinbarkeit von Kindern und UnternehmerInnentum für Frauen wird in 16,8% der Antworten angesprochen. Vor allem die Doppel- und Dreifachbelastungen mit dem damit verbundenen extremen Energieaufwand werden angeführt. Die Befragten bemängeln fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und mangelnde Unterstützung. Bei den Frauen werden Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen geweckt. Kinder bedeuten auch einen deutlich erhöhten Organisationsaufwand, der die für UnternehmerInnen notwendige Flexibilität stark einschränkt.

    14,3% der Antworten sind als neutral einzustufen. Hier werden zumeist Bedingungen genannt, die eine Vereinbarkeit zwischen Kindern und Unternehmertum ermöglichen. So wird die Notwendigkeit einer/s entlastenden Partnerin/s erwähnt. Wenn die Kinder schon erwachsen sind, können sie im Betrieb mithelfen, was durchwegs als Vorteil gesehen wird. Im Zusammenhang mit Kindern wird auch die Nachfolgeproblematik genannt, die sowohl positiv ("Man weiß wofür man arbeitet.") als auch negativ ("Die Kinder richten das Unternehmen zugrunde") interpretiert werden kann.

    Bei 10,9% der Nennungen wird eine nicht verantwortbare Vernachlässigung der Kinder angesprochen. Weitere 8,4% der Antworten erwähnen, daß durch Kinder die Risikobereitschaft drastisch sinkt. Wegen der erhöhten Verantwortung für die Kinder werden notwendige Risiken nicht mehr eingegangen.

    Jede zwanzigste Aussage (5,3%) sieht im Falle eines sich einstellenden Nachwuchses das Ende des Unternehmens. 4% der Nennungen behandeln die bereits im vorigen Abschnitt angesprochene mangelnde soziale Absicherung in Falle einer Schwangerschaft.

    Analysiert man die Antworten nach Geschlecht, fällt auf, daß Frauen von der Frage "Kinder und Unternehmen" deutlich öfter betroffen sind als Männer. Während 182 Nennungen von Frauen kommen, entfallen auf die Männer lediglich 140. Bei der inhaltlichen Auswertung zeigt sich, daß Frauen vermehrt die Unvereinbarkeit von UnternehmerInnentum und Kindern ansprechen. 40 Frauen, aber nur 14 Männer äußerten sich in dieser Richtung. Kinder werden dafür eher von Männern (45%) denn von Frauen (36,8%) als Behinderung erlebt. Frauen geben öfter an, daß Kinder das Ende des Unternehmens bedeuten (6,6%) und fürchten zudem eher eine Vernachlässigung der Kinder (12,6%). Für Männer betragen die entsprechenden Werte 3,6% und 8,6%. Auch die fehlende soziale Absicherung wird vermehrt von Frauen angesprochen (5,5% gegenüber 2,1%). Frauen äußern mit 9,3% seltener, sich auf ihren Partner verlassen zu können, wenn sich Kinder einstellen. Bei Männern beträgt der Wert 21%. Diese Ergebnisse sind anbetracht der real existierenden Situation von Frauen sehr plausibel.

    Die Ergebnisse bei der Befragung der DiplomandInnen und AbsolventInnen wird durch die Angaben der JungunternehmerInnen durchwegs bestätigt. Alle Frauen und ein Mann, der mehrere Kinder hat, betonten, daß Schwangerschaft und Geburt in den ersten zwei Jahren der Unternehmensgründung mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende für das Unternehmen bedeuten oder bedeutet hätten. Zumindest wäre mit einer längeren Unterbrechung zu rechnen. Das gesamte soziale Umfeld würde sehr belastet werden, da es gerade für UnternehmerInnen, die außerhalb der Gewerbeordnung liegen, keine Stützmechanismen gibt. Das würde für Gründerinnen bedeuten, bis zur Geburt des Kindes zu arbeiten und kurze Zeit darauf die Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen. Die Frauen, die kein Gewerbe angemeldet haben oder anmelden konnten, überlegten intensiv, wie sie soziale Absicherung über einen unselbständigen Nebenjob erlangen könnten. Bei einigen Befragten war geradezu eine Schwangerschafts- und Kinderangst festzustellen. Eine einzige Unternehmerin hat als Alleinerzieherin mit einem einjährigen Kind begonnen, ein Unternehmen zu gründen. Sie erlebte derart viele Diskriminierungen, da man ihr nicht zutraute, ohne Ehemann mit dem Kind ein Unternehmen alleine aufzubauen. Sie war öfter knapp vor dem Aufgeben und ist gesundheitlich noch immer sehr belastet. Trotzdem hat sie die Gründungsphase überstanden und hat jetzt 11 MitarbeiterInnen.

    Die durch die Kinder erwachsenden Belastungen können Großteils nur durch Unterstützung des sozialen Umfeldes entschärft werden. Im Falle einer bestehenden Beziehung versuchen die Betroffenen vor allem den/die Partnerin stärker in die Kinderbetreuung einzubeziehen. Dennoch geben alle befragten JungunternehmerInnen an, daß Belastungsgrenzen, etwa bei längeren Erkrankungen der Kinder und Behinderungen, schulischen Problemen oder wenn der/die Partner/in ausfällt, rasch überschritten werden können. Unabhängig vom Geschlecht der UnternehmensgründerIn sind die Belastungen durch Kinder während der Gründungsphase derart groß, daß Stützmechanismen wie Haushalts-, Wochenhilfen und Gelder für qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sehr wichtig wären. Steuererleichterungen im Falle von Geburten, wie etwa Nullbescheide bei den Steuervorauszahlungen wären ebenfalls hilfreich. Von vielen Befragten wird in diesem Zusammenhang die Frage aufgeworfen, warum die Reproduktionstätigkeit von Selbständigen nicht annähernd die öffentliche Unterstützung erfährt, wie die Reproduktionstätigkeit bei Unselbständigen.

    Frauen äußern zu diesem Themenkomplex wesentlich mehr Ängste als Männer, die, herkömmlichen Rollenzuschreibungen entsprechend, die Kindererziehung stärker auf die Partnerinnen verlagern. Wegen dieser Ängste betonen die befragten Gründerinnen ohne Kinder, daß sie die Realisierung der Kinderwünsche möglichst lange hinausschieben wollen und auch weniger Kinder bekommen werden als sie ursprünglich wollten. Die UntenehmerInnen mit Kindern meinen, daß sie derzeit keine Kinder in die Welt setzen wollen, weil es in den ersten Jahren einer Gründung eine zu große Belastung ist.

    Neben der schwierigen Vereinbarkeit von UnternehmerInnentum und Kindern werden allerdings auch Vorteile für die Elternschaft Selbständiger gesehen.

    Frauen mit Kindern im Vorschulalter und Schulalter erwähnen, daß ihnen die unternehmerische Tätigkeit ermöglicht, flexibler in der Zeiteinteilung zu sein. Sie können abends arbeiten und dennoch die Schulsprechstunden und andere Verpflichtungen wahrnehmen. Sie werden nicht mehr um ärztliche Atteste, die innerhalb kürzester Zeit vorgelegt werden müssen, gefragt und müssen sich vor niemandem rechtfertigen, wenn die Kinder krank sind. Die Angst einer etwaigen Überschreitung des Urlaubs- und Pflegezeitbudgets entfällt.

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  • 10. Die Rolle des Bildungssystems bei der Unternehmensgründung
  • In Schulen und Universitäten wird berufliche Selbständigkeit zu wenig positiv besetzt oder auch als Möglichkeit kaum thematisiert. In einem ersten Schritt wurde das allgemeine Klima an Universitäten hinsichtlich Unternehmensgründungen erfragt. Die DiplomandInnen und AbsolventInnen sollten angeben, ob sie an der Universität Grundlegendes zur Unternehmensgründung gehört haben, zu Unternehmensgründung motiviert wurden oder hinsichtlich einer Unternehmensgründung beraten wurden.

    Tabelle 12: Universität und Unternehmensgründung

    Nennungen

    %-Zustimmung

    Grundlegendes zur Unternehmensgründung

    58

    15,3%

    Motivation zu Unternehmensgründung

    28

    7,4%

    Beratung für Unternehmensgründung

    11

    2,9%

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Der überwiegende Teil der DiplomandInnen und AbsolventInnen hat an der Universität keine Informationen über Unternehmensgründungen erhalten. Von den Befragten wird kritisiert, daß die Universitäten nur sehr wenige Aktivitäten in bezug auf Unternehmensgründung setzen. Nicht einmal jedeR sechste DiplomandIn bzw. AbsolventIn glaubt, daß entsprechende Angebote an den Universitäten existieren. Bestätigt wird dieses Bild durch die Telefoninterviews, bei denen 36 der 46 Interviewten verneinen, irgendeine Lehrveranstaltung oder einen Seminarblock der Universität zur Unternehmensgründung zu kennen. Es werden lediglich Vermutungen geäußert, daß es vielleicht auf der Wirtschaftsuniversität ein entsprechendes Angebot gibt.

    Das Thema Selbständigkeit und Unternehmensgründung ist überhaupt auf der Universität wenig präsent. Während Frauen auf der Universität zu 11,1% Grundsätzliches zur Unternehmensgründung gehört haben, sind es bei den Männern 19,7%. Die qualitativen Telefoninterviews mit AbsolventInnen zeigen ein ähnliches Bild. Von den 46 Befragten gaben lediglich 8 Personen an, irgend etwas über Unternehmensgründung an der Universität gehört zu haben. Die Qualität dieser Informationen ist jedoch äußerst dürftig und bezieht sich auf gelegentliche Randbemerkungen in einzelnen Lehrveranstaltungen.

    Noch schlechter fällt das Ergebnis im Bereich Motivation und Beratung aus. Lediglich 7,4% der Befragten geben an, durch die Universität zur Unternehmensgründung motiviert worden zu sein. Beratung in irgendeiner Form haben gar nur 2,9% erfahren, wobei der Anteil der Frauen mit 2,1% deutlich unter dem der Männer liegt (3,7%). Das geschlechtsspezifische Antwortverhalten hängt damit zusammen, daß sich die Universitäten eher an männlichen Lebensläufen orientieren und damit für Männer eine Vorbildfunktion auch für Unternehmensgründung haben. Männer verweisen auch öfter auf Mentoren und sie fördernde Professoren an den Universitäten. Immerhin ist jeder Fünfte der Ansicht, daß es UniversitätslehrerInnen gibt, die für eine Unternehmensgründung motivierend wirken können. Insgesamt wird der Universität kein gutes Zeugnis in Bezug auf eine aktive Förderung von Unternehmensgründungen ausgestellt.

    JungunternehmerInnen messen den Universitäten nur insofern Bedeutung bei als sie ein optimales Training für Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen darstellen. Dabei könnten sich die GründerInnen durchaus vorstellen, daß die Universitäten eine förderliche Rolle für potentielle JungunternehmerInnen spielen kann. So könnten für höhersemestrige Studierende, ähnlich den Entrepreneurship-Gegenständen an amerikanischen Universitäten, Seminare über die Grundlagen einer Unternehmensgründung angeboten werden. Als weitere Alternative könnten von den Universitäten eigene Förderprogramme, etwa in Form von Universitätslehrgängen, angeboten werden. Von den AbsolventInnen, die mittels Telefoninterview befragt wurden, gaben deutlich mehr als die Hälfte an, an so einem Förderprogramm interessiert zu sein.

    Die ExpertInnen verweisen jedoch darauf, daß ein Universitätsstudium allein noch lange keine hinreichende Qualifikation für eine Unternehmensgründung ist. Sie sind durchwegs der Meinung, daß ohne Praxisbezug oder Projekterfahrung niemand direkt nach einer Ausbildung ein Unternehmen gründen sollte. Studienrichtungen, von denen man annehmen könnte, daß ihre AbsolventInnen am ehesten zur Unternehmensgründung prädestiniert wären, wie etwa das rechtswissenschaftliche Studium oder wirtschaftswissenschaftliche Studien, verspielen durch das hohe Maß an Verschulung ihr Potential, UnternehmerInnen hervorzubringen. Als positive Ausnahmen werden Studienrichtungen genannt, in denen projektbezogen gearbeitet wird, wie im Bereich der Politologie und den sozial- und humanwissenschaftlichen Studien - Fachbereiche, die man bisher nicht für "karrieregeeignet" gehalten hat. Ursache hierfür mag unter anderem eine Anpassung an die aktuellen Arbeitsmarktbedingungen sein. "Während AbsolventInnen der Geisteswissenschaften - immer als brotlos dargestellt - es inzwischen geschafft hätten, Stellen am Arbeitsmarkt durch entsprechende Eigeninitiativen zu finden, steht dieser Entwicklungsprozeß AbsolventInnen des Jus- bzw. Wirtschaftsstudiums erst bevor." (APA, 1997) Diese JungakademikerInnen werden aller Voraussicht nach die künftige Problemgruppe sein.

    Einheitlich sehen alle Befragten die Notwendigkeit, sich über das Studium hinaus Wissen anzueignen, wenn man beabsichtigt ein Unternehmen zu gründen. Dies zeigt einerseits der hohe Anteil an schon absolvierten Zusatzausbildungen (38,2%) und andererseits die genannten Zusatzqualifikationen, die DiplomandInnen und AbsolventInnen speziell für Unternehmensgründungen als wichtig erachten.

    Tabelle 13: Zusatzausbildungen für eine Unternehmensgründung

    Nennungen

    Mittelwert

    Betriebsführung

    91,4%

    1,55

    rechtliche Rahmenbedingungen

    91,1%

    1,61

    Gewerbeordnung

    81,6%

    1,88

    Kommunikationstraining

    71,9%

    2,08

    Selbstbewußtseinstraining

    55,0%

    2,43

    Quelle: L&R Gründer Datafile

    Wie die obere Tabelle zeigt, sind es vor allem Zusatzausbildungen im wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich, die von den Befragten als wichtig erachtet werden. 91,4% der AbsolventInnen glauben, daß JungunternehmerInnen eine Ausbildung in Betriebsführung aufweisen sollten. Nahezu identisch ist die Zahl der Befragten (91,1%), die Zusatzausbildungen über rechtliche Rahmenbedingungen als unabdingbar ansehen. Immerhin vier von fünf Befragten (81,6%) sind der Ansicht, daß ein Wissen über die Gewerbeordnung sehr hilfreich ist.

    Soft skills werden von den DiplomandInnen und AbsolventInnen deutlich seltener genannt. Nur 71,9% halten ein Kommunikationstraining wichtig für angehende JungunternehmerInnen. Die Zustimmung zum Item "Selbstbewußtseinstraining" beträgt sogar nur 55,0%.

    Weiters bestand die Möglichkeit, über eine offene Frage weitere Zusatzausbildungen zu nennen. 28 Befragte (7,3%) machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Die von ihnen genannten Ausbildungen betrafen vor allem das Rechnungswesen, Ausbildungen im Finanzierungs- und Managementbereich sowie Sprachausbildungen.

    Auffallend ist, daß Frauen bei allen angeführten Zusatzausbildungen deren Wichtigkeit höher einschätzen als die befragten Männer. Die Zusatzqualifikation "Betriebsführung" finden 67,4% der Frauen als sehr wichtig, Männern hingegen nur zu 41,7%. Rechtliche Rahmenbedingungen sehen 93,1% der Frauen aber nur 89,1% der Männer als wichtig an. 85,2% der Frauen meinen, daß Wissen über die Gewerbeordnung für eine Unternehmensgründung förderlich ist. Der entsprechende Prozentsatz beträgt bei den Männern 78%. Auch Kommunikationstraining (77,7%) und Selbstbewußtseinstraining (62,2%) wird von den Frauen höher eingestuft als von den Männern. Bei ihnen betragen die Zustimmungsraten 66% und 47,5%. Der Umstand, daß Frauen deutlich öfter Zusatzausbildungen als wesentlich erachten, mag in ihrer Sozialisation begründet liegen. Einerseits wird von ihnen zumeist genaueres und perfekteres Arbeiten erwartet. Dies verlangt aber auch eine genauere Kenntnis aller die Arbeit beeinflussenden Faktoren. Andererseits werden Frauen stärker in Abhängigkeiten und Unselbständigkeit gedrängt. Aus dieser Position etwas eigenes aufzubauen erfordert viel mehr Kraft und Know-how. In diesem Zusammenhang können Zusatzausbildungen eine wertvolle Stütze sein.

    Zwischen DiplomandInnen und AbsolventInnen gab es nur bei einer Frage auffällige Differenzen im Antwortverhalten. DiplomandInnen finden Selbstbewußtseinstrainings mit 58,6% wichtiger als AbsolventInnen (44,8%). Dieser Unterschied erscheint aus zwei Gründen plausibel. Einerseits haben die AbsolventInnen gerade eine Ausbildung abgeschlossen und sind daher weniger bereit, gleich eine Zusatzausbildung anzuschließen. Andererseits ist mit dem Abschlußdiplom eine wesentliche Änderung im gesellschaftlichen Status verbunden, der deutlich auf das Selbstbewußtsein wirkt. Sind Studierende in der gesellschaftlichen Wertehierachie weit unten angesiedelt, schnellt der Status mit dem Abschluß an das obere Ende.

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  • 11. Empfehlungen der Befragten
  • Vor allem die ExpertInnen und die JungunternehmerInnen gaben während der Interviews zahlreiche Empfehlungen zur Verbesserung der Situation für UnternehmensgründerInnen ab. Im folgenden werden die wichtigsten Empfehlungen ausgeführt:

    Die ExpertInnen und JungunternehmerInnen fordern eine übersichtlichere und transparentere Gestaltung des Förderungswesens. Es sollte entbürokratisiert werden, um flexibler auf aktuelle Veränderungen in der Gesellschaft reagieren zu können. Doppelzuständigkeiten sollten aufgelöst und parallele Förderschienen zusammengeführt werden.

    Die Förderungsrichtlinien und -prozeduren sollten vereinheitlicht, vereinfacht und den aktuellen Arbeitsmarktbedingungen angepaßt werden. Auch die Zugangsmöglichkeit zu den Förderungen müßte erhöht werden.

    Eine weitere Liberalisierung und Entbürokratisierung der Gewerbeordnung insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe wird gewünscht.

    Die Förderungen für den Dienstleistungssektor speziell im Sozial- und Gesundheitsbereich sollten ausgeweitet werden. Ebenso wurde empfohlen, veraltete Förderungsaktionen zu beenden und mit den frei werdenden Mitteln innovative Unternehmenszweige zu fördern.

    In das Studienangebot sollten verstärkt Inhalte zur Unternehmensgründung und Unternehmensführung integriert werden. Als Vorbild könnten hier die amerikanischen Universitäten dienen, die ihre Fachrichtungen um Kurse in Unternehmensgründung und -führung (entrepreneurship) erweitert haben. Schon während einer universitären Ausbildung sollte der Kontakt zu Unterstützungseinrichtungen, Fördereinrichtungen und Vertretungen ermöglicht und forciert werden.

    Unterstützungseinrichtungen und Wirtschaftskammern sollten ihre Leistungen auf potentielle GründerInnen ausweiten, unabhängig davon, welches Gewerbe oder welche Wirtschaftsform angestrebt wird. Insbesondere sollten spezifische Stellen für Beratung und Service eingerichtet werden.

    Die Beratungsangebote sollten nicht nur auf rechtliche Rahmenbedingungen, Konzepterstellung und "worst-case"-Berechnungen beschränkt sein, sondern in Richtung Coaching und unabhängiger Finanzierungs- und Förderungsberatung ausgeweitet werden.

    In Anbetracht des großen Interesses an Betriebserweiterungen, Kooperationen zwischen Unternehmen und Teamgründungen wird angeregt, eine Unternehmensbörse einzurichten. Diese könnte Eingliederungsberatung für Erweiterungen von bestehenden Unternehmen und Betriebsübernahmeberatung anbieten, Geschäfts- und KooperationspartnerInnen vermitteln und Teamgründungen unterstützen.

    Von vielen JungunternehmerInnen wurde der Wunsch geäußert, sich mit anderen JungunternehmerInnen auszutauschen. Hierzu würden sich moderierte Gesprächsforen eignen, in denen die unterschiedlichen Aspekte der Unternehmensgründung diskutiert, aber auch Kontakte zu potentiellen GeschäftspartnerInnen geknüpft werden können. Jour-Fixe, wie sie derzeit angeboten werden, kommen den Bedürfnissen der JungunternehmerInnen nicht ausreichend entgegen.

    Eine bessere soziale Absicherung für JungunternehmerInnen wird von vielen Befragten gewünscht. Insbesondere im Falle ungeplanter Betriebsunterbrechungen wären entsprechende Stützmechanismen sinnvoll. Auch kostengünstige Betriebsunterbrechungsversicherungen für JungunternehmerInnen könnten viele Risiken reduzieren helfen.

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    Erstellt von:  Außeninstitut der TU-Wien